Aktuelle Nachrichten – Deutschland
13.05.2010
Berlin (apn) Kurz vor der Bologna-Konferenz haben die Hochschulen zur Verbesserung der Studienbedingungen mehr Geld für Personal gefordert. Nur ein besseres Betreuungsverhältnis könne einen qualitativen Kompetenzerwerb ermöglichen, sagte die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, am Mittwoch in Berlin. Am kommenden Montag findet auf Initiative von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) eine Bologna-Konferenz statt, auf der Kultusminister sowie Hochschul- und Studentenvertreter über den umstrittenen Bologna-Prozess beraten wollen.
Die Ziele der Reform sind aus Sicht der Hochschulen gut. Schiefgelaufen sei aber die Umsetzung, räumte Wintermantel ein. Es sei nicht ausreichend, alte Studiengänge bloß neu zu beschildern. Es gelte jetzt, ein „kluges Konzept“ zu erarbeiten. Hinderliche Vorschriften für die neuen Studiengänge müssten abgeschafft werden.
Im Zuge des Bologna-Prozesses soll das zweistufige Studiensystem aus Bachelor (BA) und Master (MA) flächendeckend in Europa eingeführt werden. Ziele sind eine bessere Vergleichbarkeit der Abschlüsse und mehr Mobilität im europäischen Hochschulraum. Für Deutschland, wo es die neuen Abschlüsse an den meisten Hochschulen schon gibt, bedeutet es eine tiefgreifende Reform, mit der die bisherigen Abschlüsse Diplom und Magister verschwinden und es auch immer weniger Staatsexamen gibt.
Viele Studenten kritisieren an den neuen Studiengängen vor allem eine stoffliche Überfrachtung, hohe Prüfungsdichte und eine „Verschulung“ des Studiums. Außerdem würden die zulässigen Regelstudienzeiten zu wenig genutzt, und der Wechsel von einer Hochschule zur anderen sei sogar erschwert und nicht wie angestrebt erleichtert.
Den am Montag anstehenden Bologna-Gipfel hatte Schavan wegen der heftigen Proteste einberufen, mit denen Studenten in Deutschland und europaweit im vergangenen Jahr ihre Kritik zum Ausdruck brachten. Auf der Konferenz will Schavan gemeinsam mit Studenten Vorschläge für eine Verbesserung der umstrittenen Hochschulreform erarbeiten. Schavan erklärte auf der HRK-Mitgliederversammlung am Dienstag ihre Pläne, einen Qualitätspakt für die Lehre zu erarbeiten.
Studentenvertreter riefen dagegen einen zeitgleichen Gegengipfel in der Berliner Humboldt-Universität aus. Das von Schavan initiierte Treffen bezeichneten sie als Show, da die Forderung, dass 50 Prozent der Teilnehmer Studenten sein sollten, abgelehnt worden sei und stattdessen Vertreter von Unternehmen wie Audi, Siemens und VW eingeladen worden seien. Zudem stünden die „inhaltlosen Positionspapiere“ schon fest.
Die hochschulpolitische Sprecherin der Linken, Nicole Gohlke, erklärte, die Studenten drohten zurecht mit Boykott, wenn Schavan nicht bereit sei, gemeinsam mit den Kultusministern den freien Masterzugang und die Verbesserung der finanziellen und personellen Situation der Hochschulen durchzusetzen.
http://www.hrk.de/ (AP)
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