Aktuelle Nachrichten – Europa
03.02.2009
Bern/Biel – Die Krise hat auch den Schweizer Aussenhandel voll erfasst: Im Dezember brachen Exporte und Importe weiter ein. Im ganzen Jahr 2008 resultierten zwar nochmals neue Höchstwerte. Es war aber die schwächste Zunahme seit fünf Jahren. Der Überschuss der Handelsbilanz schnellte hingegen um zwei Fünftel in die Höhe.
In den beiden Vorjahren war der Aussenhandel noch in zweistelliger Höhe. Im 2008 nun nahmen die Exporte nominal nur noch um 4,6 Prozent und die Importe um 1,8 Prozent zu. Erstmals überschritt der Ausfuhrwert aber die 200 Milliarden-Franken-Grenze, wie die Eidgenössische Zollverwaltung, EZV, am Dienstag mitteilte. In den ersten drei Quartalen wurde bei den Ausfuhren ein nominales Wachstum zwischen 6,2 und 8,7 Prozent registriert. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres brachen die Exporte dann ein und wiesen die schlechtesten Ergebnisse seit dem vierten Quartal 2001 auf.
Die Hälfte der Branchen rutschten gar ins Minus. Sämtliche Branchen meldeten ein schwächeres Ergebnis als im Vorjahr. Zweistellig expandierten einzig die Lieferungen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Am Ende der Skala steht die Textilindustrie, deren Exporte um 7,7 Prozent sanken. Insgesamt nahmen die Verkäufe nach den grossen Volkswirtschaften Frankreich, den USA und Italien zwischen vier und sieben Prozent zu, jene nach dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Japan und den Niederlanden zwischen zwei und drei Prozent.
Die Importe stiegen nominal um 1,8 Prozent auf rund 187 Milliarden Franken und real um 1,6 Prozent. Laut der Zollverwaltung verlor die Entwicklung der Importe kontinuierlich von Quartal zu Quartal an Schwung und fiel schliesslich im Schlussquartal deutlich ins Minus. Auch hier waren es die schwächsten Quartalsergebnisse seit 2001. Besonders betroffen waren die Rohstoffe und Halbfabrikate, aber auch die Importe von Investitionsgütern litten unter der Nachfrageschwäche. Der Blick auf die Länder zeigt, dass China nach mehreren Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten mit 4,5 Prozent den schwächsten Anstieg seit 2002 verzeichnete. Die Lieferungen aus den USA stagnierten. Weil die Ausfuhren deutlich stärker wuchsen als die Importe, stieg der Überschuss der Handelsbilanz im vergangenen Jahr um 42 Prozent auf ein neues Allzeithoch von 20 Milliarden Franken.
Während das gesamte vergangene Jahr trotz Wirtschaftskrise insgesamt ein Wachstum meldete, geht der Dezember laut der EZV als „Mensis horribilis“ für den Aussenhandel in die Geschichte ein. Die Exporte gingen im Vergleich zum Vorjahresmonat nominal um 10,8 Prozent und real um 13,0 Prozent zurück. Bei den Importen machte die Einbusse 11,4 beziehungsweise 7,2 Prozent aus.
Auch die Uhrenindustrie litt im letzten Quartal unter der deutlichen Verschlechterung der Wirtschaftslage. Im vierten Quartal gingen die Exporte mit einem Minus von 7,8 Prozent allerdings nur halb so stark wie im November zurück. Im ganzen Jahr 2008 resultierte nochmals ein Rekord, wie der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie schreibt. Es wurden Uhren und Uhrenprodukte im Wert von 17 Milliarden Franken exportiert, 6,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Verband geht davon aus, dass bei anhaltender negativer Tendenz das laufende Jahr mit roten Zahlen beginnen wird. (AP)