Aktuelle Nachrichten – Menschen
30.09.2012
Foto: dapd
Berlin/Erfurt/Potsdam – Die Welle der massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen im Osten Deutschlands ebbt offenbar ab. Das Krankheitsgeschehen sei nicht mehr so akut, sagte ein Sprecher des thüringischen Gesundheitsministeriums. Möglicherweise besteht jedoch Ansteckungsgefahr: In Berlin wurden Einzelfälle von Zweitinfektionen bekannt, wie die Gesundheitsverwaltung am Sonntag warnte. Die Ursache blieb auch über das Wochenende weiter unklar. Der Caterer Sodexo, der die betroffenen Schulen und Kindertagesstätten mit Essen beliefert hatte, teilte am Sonntagabend mit, dass die meisten seiner kurzzeitig geschlossenen Küchen zwischenzeitlich wieder freigegeben wurden.
In Thürigen sind am Wochenende nach Angaben des Gesundheitsministeriums lediglich 123 neue Fälle von Magen-Darm-Erkrankungen bekannt geworden. Aus Berlin und Brandenburg wurden am Sonntag gar keine neuen Fälle gemeldet. Seit Dienstag waren in weiten Teilen Ostdeutschlands laut Robert-Koch-Institut (RKI) etwa 8.400 Menschen an Magen-Darm-Beschwerden erkrankt, meist Kinder und Jugendliche.
Auch die von Bund und Ländern eingesetzte Ermittlungs- und Koordinierungsgruppe sieht den Gipfel vorerst überschritten. Die sogenannte "Task Force" betonte aber, dies müsse sich in den kommenden Tagen bestätigen. Dann würden dem Robert-Koch-Institut weitere Daten übermittelt.
Die meisten Erkrankten wieder gesund
Auslöser der Beschwerden war möglicherweise verdorbenes Essen in Schul- und Kindertagesstätten, die von dem gemeinsamen Caterer Sodexo beliefert wurden. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Zwischenzeitlich wurden dem Caterer zufolge unter der Auflage "der verstärkten Vorsorge" die meisten seiner vorübergehend geschlossenen Küchen wieder geöffnet.
Laut RKI handelt es sich um den bisher mit Abstand größten möglicherweise durch Lebensmittel bedingten Ausbruch einer Magen-Darm-Erkrankung in Deutschland. Den Behörden zufolge verliefen die Krankheiten in den meisten Fällen aber kurz und unkompliziert. Es wird angenommen, dass der Großteil der Erkrankten inzwischen wieder genesen ist.
Ein Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums sagte der Nachrichtenagentur dapd, die Behörden suchten weiter unter Hochdruck nach dem Auslöser. Nach Angaben der "Task Force" wurde der Ausbruch aber wahrscheinlich lediglich durch ein kontaminiertes Lebensmittel beziehungsweise eine Charge einer Lieferung ausgelöst.
In den kommenden Tagen sollen neben Lebensmittelproben nun Speisepläne und Einkaufslisten ausgewertet sowie die Waren- und Lieferströme möglicherweise betroffener Lebensmittel zurückverfolgt werden. Zudem sollen Kantinenmitarbeiter befragt werden. Im Fokus steht dabei demnach der gemeinsame Lieferant.
Dieser, das Unternehmen Sodexo, steht nach eigenen Angaben weiterhin in engem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden und analysiert demnach auch selbst "in jeglicher Richtung". Das betreffe auch die zugelieferten Rohwaren.
Noroviren-Fälle in zwei Bundesländern
In Sachsen und Thüringen wurden derweil bei mehr als 20 Kindern Infektionen mit dem Norovirus nachgewiesen. "Ob sie allerdings im Zusammenhang mit der aktuellen Häufung der Magen-Darm-Erkrankungen stehen oder allein der risikohafteren Jahreszeit geschuldet sind, ist unklar", sagte ein Sprecher des thüringischen Gesundheitsministeriums der dapd.
Eine Sprecherin der Berliner Gesundheitsverwaltung sagte, es müsse ermittelt werden, ob es sich bei den Fällen um virale oder bakterielle Erkrankungen handele. "Da der Norovirus ein hoch ansteckender Virus ist, wäre eine hohe Anzahl von Sekundärinfektionen zu erwarten gewesen". Das sei jedoch bisher nicht beobachtet worden, sagte die Sprecherin weiter.
Auch der "Task Force" zufolge gibt es bislang keinen Hinweis auf eine nennenswerte Anzahl von Sekundärinfektionen. Daher sei den Lebensmittelüberwachern empfohlen worden, bei den Analysen neben Noroviren auch bestimmte von Bakterien gebildete Toxine in Betracht zu ziehen.
dapd
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