Umwelt – Höher, weiter, erstaunlicher – Heike Soleinsky / The Epoch Times
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Rekorde der Vogelwelt Höher, weiter, erstaunlicher

Heike Soleinsky / The Epoch Times

03.05.2010

Größter Chauvinist? Oder doch großer Kavalier? Der Helmhornvogel kerkert Frau und Gelege ein. Foto: TUI De Roy/Minden PIctures/FLPA
Größter Chauvinist? Oder doch großer Kavalier? Der Helmhornvogel kerkert Frau und Gelege ein.

Foto: TUI De Roy/Minden PIctures/FLPA

Der Helmhornvogel mauert das Weibchen mit Lehm und Exkrementen in der Bruthöhle ein. Das sieht nach Einkerkern aus. Der Ornithologe Dominic Couzens hat ihn darum in seinem Buch „Rekorde der Vogelwelt - 130 Extreme" zum größten Chauvinisten der Vogelwelt erklärt.

Vögel sind nicht nur Flugakrobaten und meisterliche Sänger. In Couzens Buch finden wir neben den Rekordhaltern für die größte Spannweite (Wanderalba­tros), die schärfsten Augen (Steinadler) oder den kleinsten Vogel (Bienenelfe), auch die schönste Balzshow (Pfau), den besten Architekten und Kuriositäten wie „Cleverster Schnorrer".

Zartgelb und gefährlich scharf

Die Harpyie ist in Couzens Buch der Rekordhalter für die kräftigsten Füße - und für die größte von Vögeln geschlagene und abtransportierte Beute: einen 6,8 Kilogramm schweren Bolivianischen Brüllaffen. Mit einer Körperlänge von einem Meter ist dies der größte jagende Greifvogel der Welt. Neben Faultieren schlagen sie Schweine, Ziegen und Füchse. Selbst Schlangen werden verspeist - die Harpyie macht mit ihren sieben Zentimeter messerscharfen Hinterzehenkrallen an ihren zartgelben Füßen mal eben Schaschlik daraus.

Längster Schnabel

Der Schnabel vom Schwertschnabelkolibri ist fast so lang, wie der Vogel selbst. Elf bis zwölf Zentimeter misst er beim 13 Zentimeter langen Weibchen. Jedoch ist die Süße des Ruhms für die Schwertschnabelkolibris vermutlich weniger interessant als die Süße des Nektars, den sie damit erreichen können: sogar an den der Engelstrompete kommen sie damit heran. Um sich zu putzen, müssen diese Rekordhalter allerdings die Füße nehmen.

Den Schopfalk können Vogelkundler mit geschlossenen Augen erkennen - er ist der Vogel, der am stärksten riecht. „Kopf-, Herz- und Basisnote": Mandarine.

Spitzenleistungen

Spitzenleistungen sind keine Erfindung der Menschheit. Couzens zeigt uns die Rekorde für den schnellsten Flügelschlag, den besten Stimmenimitator, das feinste Gehör aber auch für die merkwürdigste Abkühlmethode.

Fressen, fressen, fressen

Wie stellt man sich den Vogel mit dem größten Appetit vor? Wie eine fette Gans, die den ganzen Tag gemütlich umherwatschelnd Grünzeug oder Körner frisst? Oder als einen großen Raubvogel, der besonders große Beutetiere schlägt und sich dann den Bauch füllt? Alles falsch. Der größte Vielfraß der Vogelwelt ist der winzig kleine Vielfarbentodi, ein westindischer Verwandter des Eisvogels. Bis zu 1596 Beutetiere pro Tag verschlingt er an einem Tag. Während der Brutzeit kommt noch die Beutemenge für die Brut dazu, die durchschnittlich 140 Mal am Tag gefüttert wird. Kommentar des Autors: „Kleine Insekten, nehmt euch in Acht!"

Satansbraten

Als Vogeleltern hat man Sorgen: während die Elternvögel für ihre Jungen nach Nahrung suchen, haben Nesträuber leichte Beute. Gut, wenn das Zuhause mit einem Sicherheitssystem ausgestattet ist. Das Nest des Wiedehopfs wird zur Abwehr mit einem stinkenden Sekret durchtränkt, denn die meisten Nesträuber sind kleine Säuger mit feinen Nasen. Die Wiedehopfeltern haben jedoch noch einen weiteren Grund, entspannter als andere Vogeleltern vom Nest fern zu sein: Die Küken haben eine spezielle Kunst der Selbstverteidigung drauf. Kommt ein Räuber heran, wird er vom vermeintlichen Opfer scharf-riechend beschossen. Mit einem gezielten Urinstrahl, mit dem der Nestling sogar aus einer Entfernung von 60 Zentimetern noch trifft. Außerdem fauchen die kleinen Rotzgören wie Schlangen und hacken mit ihrem spitzen Schnabel auf den Eindringling ein. Die Überlebensrate von Wiedehopf-Jungen gilt als ungewöhnlich hoch. Der Autor kürte es darum zum wehrhaftesten Küken. Die Helmhornvogel-Küken können das nicht. Der „Chauvi" ist eigentlich auch eher ein Gentleman, denn die „Freiheitsberaubung" des Weibchens dient der Sicherheit der Familie, bis die Jungen flügge sind.

Die Natur ist extrem - und doch ökonomisch, das zeigt das Buch „Rekorde der Vogelwelt" auf unterhaltsame Weise. Man möchte am liebsten alle 130 Beispiele zitieren. Und die meisterlichen Fotografien von jedem Rekordvogel zeigen. Fazit: Ein extrem nettes Buch.

Zum Buch:

Rekorde der Vogelwelt: 130 Extreme

Dominic Couzens

Gebunden, 288 Seiten

Haupt Verlag, 1. Auflage 17. März 2010

ISBN-10: 3258075492, ISBN-13: 978-3258075495

Originaltitel auf englisch: Extreme Birds

Preis: 39,90 €

 

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