München – Trotz einer vergleichsweise guten CO2-Bilanz belasten Kreuzfahrtschiffe wegen ihres hohen Feinstaubausstoßes stark die Umwelt. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Focus“ unter Berufung auf eine eigens erstellte Studie des Radebeuler Ingenieurbüros Lohmeyer. Demnach stößt ein am Kai liegendes großes Kreuzfahrtschiff in einer Stunde so viel Feinstaub aus wie 50.000 Pkw, die im gleichen Zeitraum mit einer Geschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde über die Autobahn fahren. Der Stickoxid-Ausstoß eines solchen Schiffes entspreche dem von 45.000 Pkw, die CO2-Emissionen denen von 7.000 Pkw.
Bezogen auf den CO2-Ausstoß seien Schiffe das umweltfreundlichste Transportmittel, sagte der Professor für Schiffsentwurf an der TU Hamburg, Stefan Krüger, dem Magazin. Ein Problem sei aber der Ausstoß von Schwefeldioxid, Stickoxiden und Rußpartikeln. „Was da verbrannt wird, gleicht einer gigantischen Abfallentsorgung“, sagte Krüger. Es handele sich um den schmutzigen Rest des Rohöls, nachdem die Raffinerien hochwertigen Treibstoff für Autos oder Flugzeuge und Heizöl hergestellt hätten.
Zwar ist der Schwefelgehalt des Kraftstoffs für Schiffe in EU-Häfen dem Bericht zufolge seit Mai 2006 auf 1,5 Prozent begrenzt. Autos haben demnach aber schon lange nur noch 0,005 Prozent Schwefel im Sprit. Die aus dem Schornstein geblasenen Schadstoffe können Atemprobleme bis hin zu Asthma, Bronchitis, Herzerkrankungen sowie sauren Regen verursachen.
Wie das Magazin schreibt, setzen mehrere amerikanische Häfen bereits Landstromanlagen ein, um die Luftqualität zu verbessern. Lübeck-Travemünde wolle aus Sorge um seinen Status als Heilbad nun auch eine solche Anlage bauen, während das durch die neue Hafencity betroffene Hamburg noch zögere. Obwohl seit November 2006 ein alarmierendes Schadstoffgutachten vorliege, fehlten bis heute ein konkreter Plan und ein Budget für eine Landstromanlage.
Bürgermeister Ole von Beust befürchtet dem Bericht zufolge Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen EU-Häfen, wenn Hamburg vorprescht, kündigte aber an, Lösungen zu suchen: „Wir werden mit der EU die Möglichkeit ausloten, in Hamburg eine größere Landstromanlage als Pilotprojekt zu verwirklichen.“ (AP)
Umweltbundesamt will Feinstaub-Ausstoß von Kaminen verringern
(12.03.2007)
(04.03.2007)
(02.02.2007)
Zahl der Allergiker nimmt stetig zu
(15.09.2006)
Gefährliches Duo - Ultrafeine Partikel verstärken allergische Reaktionen
(13.04.2006)
Feinstaub noch gefährlicher als vermutet
(14.03.2006)
Umwelthilfe - Diesel-Pkw ohne Filter höher besteuern
(04.04.2005)
Hohe Feinstaubwerte heizen Streit über Fahrverbote an
(28.03.2005)