Aktuelle Nachrichten – Welt
03.02.2012
Foto: Louai Beshara/AFP/Getty Images
Beirut/New York – Die syrischen Streitkräfte haben bei der Niederschlagung der Proteste nach Angaben von Menschenrechtlern auch Kinder und Jugendliche festgenommen und gefoltert. Es seien mindestens zwölf Fälle bekannt, in denen Minderjährige unter unmenschlichen Haftbedingungen festgehalten worden seien, hieß es in einem am Freitag von Human Rights Watch (HRW) in New York veröffentlichten Bericht. Die Proteste gegen die Regierung in Damaskus gingen auch am Freitag weiter, mindestens drei Menschen wurden nach Angaben von Aktivisten getötet.
"Die Kinder sind vom Horror des gewaltsamen syrischen Vorgehens nicht verschont geblieben", sagte der HRW-Direktor für Kinderrechte, Lois Whitman. "Syrische Sicherheitskräfte haben Kinder in deren Häusern, Schulen und auf der Straße getötet, festgenommen und gefoltert. In vielen Fällen sind Sicherheitskräfte gegen Kinder genauso vorgegangen wie gegen Erwachsene."
In dem Bericht wurde ein 16 Jahre alter Junge aus der Stadt Tal Kalach nahe der libanesischen Grenze mit den Worten zitiert, er sei acht Monate lang in sieben verschiedenen Strafanstalten inhaftiert gewesen. Einmal sei er in seiner Zelle mit Handschellen für sieben Stunden an einem Arm an der Decke aufgehängt worden, sagte der Junge, dessen Name mit Alaa angegeben wurde.
In einem anderen Fall berichteten die Eltern eines 13-jährigen Jungen aus der Küstenstadt Latakia laut HRW, ihr Sohn sei im Dezember festgenommen und neun Tage lang inhaftiert worden. Dem Jungen sei unter anderem vorgeworfen worden, Fotos von Präsident Baschar Assad verbrannt zu haben. Er sei in Haft mit Zigaretten verbrannt und mit heißem Wasser übergossen worden. Ein erwachsener Ex-Häftling sagte HRW, einige Kinder seien im Gefängnis vergewaltigt worden.
Bei Auseinandersetzungen im Süden Syriens wurden am Freitag mindestens ein Soldat getötet und fünf weitere verletzt. Die Kämpfe brachen am Freitag in der Stadt Dschassem in der Provinz Daraa aus, wie das in London ansässige Syrische Observatorium für Menschenrechte mitteilte. Auch in den Provinzen Hama und Homs, der nördlichen Region Idlib sowie in weiteren Städten und Ortschaften im Süden des Landes und im Großraum Damaskus kam es laut Aktivisten zu Protesten.
In den Ortschaften Dael und Nawa im Süden gingen nach Angaben des Observatoriums mehr als 20.000 Menschen auf die Straße. Sicherheitskräfte hätten in die Menge geschossen, um die Demonstration aufzulösen. Im Damaszener Vorort Rankus seien mindestens zwei Menschen von Sicherheitskräften erschossen worden.
Aktivisten hatten für Freitag zu landesweiten Protesten aufgerufen, um des 30. Jahrestags des Massakers von Homs zu gedenken. Im Februar 1982 hatte Assads Vater und Vorgänger Hafis einen Aufstand blutig niederschlagen lassen. Amnesty International geht von 10.000 bis 25.000 Toten aus.
Der UN-Sicherheitsrat verständigte sich auch in einer dritten Sitzung in Folge nicht über eine Resolution, mit der ein Ende des Blutvergießens in Syrien erreicht werden soll. UN-Botschafter teilten am Donnerstag mit, sie stimmten sich nun mit ihren Regierungen über einen neuen Entwurf ab.
Am Freitag hieß es aus Kreisen des Außenministeriums in Washington, man sei "vorsichtig optimistisch". Vermutlich werde es am Wochenende zu einer Abstimmung über einen neuen Entwurf kommen, sagte ein Gewährsmann. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach sich vor Beginn der Sicherheitskonferenz in München für eine rasche Resolution gegen Syrien aus.
(dapd)
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