Aktuelle Nachrichten – International
26.02.2006
Kabul - Mehrere hundert Häftlinge haben bei einer Gefängnisrevolte in der afghanischen Hauptstadt Kabul einen Teil des Gebäudes unter ihre Kontrolle gebracht. Wie der stellvertretende Justizminister Mohammed Kasim Haschimsai am Sonntag mitteilte, wurden mindestens vier Gefangene verletzt. Unbestätigten Berichten zufolge gab es mehrere Todesopfer. Extremisten des Terrornetzwerks Al Kaida und der Taliban hätten Mithäftlinge zu der Revolte angestachelt, sagte Oberaufseher Abdul Salaam Bakschi.
Haschimsai zufolge begannen die Unruhen am Samstagabend in Block zwei des Hochsicherheitsgefängnisses, als sich Häftlinge weigerten, neue Uniformen anzuziehen. Die Einheitskleidung war angeschafft worden, nachdem im Januar sieben Taliban als Besuchern verkleidet die Flucht gelungen war. Bakschi erklärte, die Gefangenen hätten das Wachpersonal vertrieben, einige seien mit Messern und Knüppeln bewaffnet. In dem Gebäude waren mehrfach Schüsse zu hören.
Rund 800 schwer bewaffnete Soldaten umstellten das Gefängnis, mindestens zehn Panzer wurden in Stellung gebracht. Regierungsvertreter versuchten vergeblich mit den Häftlingen zu verhandeln. Diese könnten sich nicht auf Forderungen einigen, sagte Haschimsai.
Ein ranghoher Regierungsmitarbeiter erklärte, die Gefangenen hätten einen Tunnel zu dem Bereich des Gebäudes gegraben, in dem die weiblichen Häftlinge untergebracht waren. Rund 100 Insassen kontrollierten diesen Trakt, bestätigte Haschimsai.
In dem Politscharki-Gefängnis sind etwa 2.000 Häftlinge untergebracht, darunter 350 Extremisten von Al Kaida und den Taliban. Es kam dort wiederholt zu Unruhen und Ausbrüchen.
Die US-Streitkräfte wiesen unterdessen einen Zeitungsbericht zurück, wonach auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram nördlich von Kabul rund 500 Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten werden. Die «New York Times» schrieb am Sonntag, die Gefangenen seien zu Dutzenden in Metallkäfigen untergebracht. Einige von ihnen seien seit bis zu drei Jahren dort, ohne Kontakt zu einem Anwalt zu haben. Militärsprecher James Yonts erklärte, es handele sich um feindliche Kombattanten, deren Status regelmäßig überprüft werde. Die Häftlinge lebten unter den bestmöglichen Bedingungen, betonte er. Zur Dauer ihrer Haft wollte er sich nicht äußern.
Ehemaliger Geheimdienstchef zum Tod verurteilt
Wegen der Ermordung von mehreren hundert Oppositionellen Ende der 70er Jahre wurde am Samstag der frühere afghanische Geheimdienstchef Assadullah Sarwari zum Tod verurteilt. Er wurde 1992 festgenommen, als Mudschahedin-Gruppen drei Jahre nach dem Abzug der sowjetischen Truppen die Kontrolle über Kabul übernahmen. Wegen der folgenden Kriege wurde das Verfahren erst im vergangenen Jahr aufgenommen.
Das Gericht stützte sein Urteil gegen den 64-Jährigen auf die Aussagen von mehr als 20 Zeugen sowie auf Videoaufnahmen und Dokumente, in denen Sarwari die Morde in Auftrag gegeben haben soll. Die afghanische Menschenrechtskommission begrüßte das Verfahren - das erste des Landes wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit - als wichtigen Schritt zur Beendigung der Straflosigkeit. Zugleich kritisierte sie den Prozess als chaotisch. Der Sohn des Verurteilten, Ahmad Chalid, kündigte Berufung an.
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