Nachrichten Deutschland – Hunderte Randalierer bei WM-Spiel in Gewahrsam genommen – DAPD
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Hunderte Randalierer bei WM-Spiel in Gewahrsam genommen

DAPD

15.06.2006

Dortmund - Bei Ausschreitungen am Rande des WM-Spiels Deutschland gegen Polen sind in Dortmund 429 Hooligans und Randalierer in Gewahrsam genommen worden, darunter 119 polnische, 278 deutsche und einige anderer Nationen. Ein Polizeibeamter und 32 Randalierer wurden bei den Auseinandersetzungen leicht verletzt, wie eine Polizeisprecherin am Donnerstag sagte. Schwerere Verletzungen habe es nicht gegeben. Die meisten Randalierer waren am Donnerstag wieder auf freiem Fuß, für 96 von ihnen sollten nach Polizeiangaben weitere Konsequenzen folgen.

FIFA und WM-Organisationskomitee zeigten sich zufrieden mit dem Polizeieinsatz. «Die Gewalt ist bereits vor dem Spiel im Keim erstickt worden», sagte OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach. Damit sei der Beweis gelungen, dass die Sicherheitsbestimmungen funktionierten. FIFA-Sprecher Markus Siegler bezeichnete die Randale als «ekelhaft». Aber die Behörden hätten gezeigt, dass sie eine solche Situation «sehr schnell in den Griff bekommen».

Die ersten Ausschreitungen entwickelten sich am Mittwochabend, als die Polizei im Bereich des Alten Marktes 148 einschlägig registrierte deutsche Hooligans mit einem starken Kräfteaufgebot einkesselte. Alkoholisierte deutsche Fans bewarfen die Beamten den Angaben zufolge massiv mit Steinen und griffen sie mit Leuchtraketen, Tischen und Stühlen an. Einen derart starken Solidarisierungseffekt habe es vorher noch nicht gegeben.

Fast gleichzeitig lieferten sich deutsche und polnische Fans in den Nebenstraßen Auseinandersetzungen. Diese konnten nur mit starken Polizeikräften beendet werden, zahlreiche Beamte von außerhalb Dortmunds, darunter auch Spezialeinsatzkräfte, unterstützten sie, wie weiter berichtet wurde. Vereinzelt habe man auch Versuche vereitelt, die Einfriedung des Public-Viewing-Standorts am Friedensplatz niederzureißen. Auch dort sei den Polizisten eine hohe Aggressivität entgegengeschlagen. Am späten Mittwochabend habe sich die Lage dann entspannt.

Schon vor Spiel Ingewahrsamnahmen

Szenekundige Beamte hatten laut Polizei zahlreiche Hooligans erkannt, die zuletzt bei Länderspielen in Bratislava und Florenz aufgefallen seien. Ein Sprecher der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) sagte, man habe mit Hilfe dieser Beamten teilweise gezielt bestimmte Personen aus Menschentrauben herauspicken können. Es werde geprüft, wie viele der in Gewahrsam genommenen Personen gegen Meldeauflagen verstoßen hätten.

Stunden vor dem Spiel hatte die Polizei bereits 60 polnische Fans zum Teil vorsorglich in Gewahrsam genommen, darunter vier mutmaßliche Gewalttäter, die Messer und Feuerwerkskörper mit sich führten.

Die Straßen der Innenstadt waren am Abend mit Glasscherben und Müll übersät, der Sprecherin zufolge gab es ansonsten aber keine größeren Vandalismusschäden. Polizeipräsident Hans Schulz sagte am frühen Donnerstagmorgen: «Es war heute keine gute Stimmung in der Stadt.» Normalerweise kenne man eine solche Atmosphäre nicht: «Viele Fans hatten auf die Stirn geschrieben: Heute gibt es in Dortmund Randale.» Es habe auch viele kleinere Kneipenschlägereien gegeben.

Insgesamt waren zum WM-Spiel rund 100.000 Fans in der Stadt. «Das waren Dimensionen, die alles sprengen, was wir bisher in Dortmund hatten», sagte Schulz. Die Polizei hob hervor, dass sich beim Public Viewing rund 16.000 deutsche und polnische Fußball-Fans friedlich versammelt hatten. Durch die vielen Menschen sei aber auch ein «ungeheurer Druck» auf die Absperrungen entstanden.

Die in der Gefangenensammelstelle untergebrachten Randalierer wurden nach und nach entlassen. Am Donnerstagmittag befanden sich nur noch zwei weiter in Gewahrsam. Auch sie sollten im Laufe des Tages entlassen werden.

(AP)

 

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