Aktuelle Nachrichten – China - Gesellschaft
13.05.2008
Juyuan/China – Eine einzelne Treppe ragt aus dem riesigen Trümmerhaufen heraus und auf einer Tafel sind noch farbige Schriftzeichen zu erkennen: Das Schulgebäude in Juyuan besteht nur noch aus zusammengestürzten Betonteilen und Backsteinen. Die Leichen der Schüler werden auf Türen aus den Trümmern geborgen, auf dem schlammigen Schulhof abgelegt und mit Planen bedeckt. Einige Angehörige zünden Kerzen und Räucherstäbchen an. Einige zünden Feuerwerk, um böse Geister fernzuhalten. Die meisten aber sitzen still und offenbar betäubt vom Schock neben den Leichen.
Die Mittelschule in Juyuan in der chinesischen Provinz Sichuan ist nur ein Gebäude, in dem bei dem schweren Erdbeben vermutlich Tausende Schüler begraben wurden. Auch in Mianyang sollen mindestens 1.000 Schüler und Lehrer getötet oder vermisst sein – in einer Stadt, die 160 Kilometer vom Epizentrum entfernt ist. Nähere am Epizentrum stürzten weitere Schulen ein. In Juyuan werden fast 900 Schüler unter den Trümmern vermisst, von denen laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua 60 tot geborgen wurden. Die Jugendlichen der achten und neunten Klasse hatten während des Bebens vermutlich gerade Unterricht.
Hunderte Verwandte warteten über Nacht im kalten Regen. Einige kauerten unter Schirmen oder suchten in zwei Rettungszelten Schutz. Jetzt verlangen sie wütend Informationen darüber, was mit ihren Kindern passiert ist. „Ihr sagt uns, dass wir warten sollen, aber wir können nicht mehr warten. Wir brauchen wenigstens ein paar Informationen“, sagt eine Frau zu Soldaten, die in Zweierreihen vor dem Gebäude stehen, um die Familien zurückzuhalten. „Sagt uns, was da passiert“, wird gerufen. Die Menge drückt ab und zu gegen die Soldaten und wird dann zurückgedrängt.
An der Unglücksstelle heben Rettungsmannschaften mit drei riesigen Kränen Betonteile an, die so groß wie Autos sind. Eine Gruppe Helfer räumt mit Hacken, Schaufeln und Motorsägen Trümmer beiseite. Auch Kräfte der chinesischen Erbeben-Rettungseinheit sind vor Ort. Sie brachten einen ganzen Lastwagen voll mit Spezialgeräten mit, um Geräusche eingeschlossener Überlebender zu orten. Zu ihrer Ausrüstung zählen auch Schneidgeräte.
Noch ist das ganze Ausmaß des Bebens mit der Stärke 7,9 unklar. Am Dienstag erschüttern starke Nachbeben die Region, viele Menschen wurden obdachlos. Die Rettungskräfte sind in einem Wettlauf gegen die Zeit. Viele betroffene Orte werden erst einen Tag nach dem Beben von den Helfern erreicht, weil auch Straßen zerstört wurden. Ihre Arbeit wird zudem von heftigen Regenfällen und Sturm behindert.
In Juyuan kommt zumindest für eine Jugendliche die Hilfe nicht zu spät. Sie wurde lebend aus den Trümmern geborgen und in eine Ambulanz gebracht. (AP)
Naturphänomene vor dem Erdbeben in China
(13.05.2008)
Bis zu 20.000 Todesopfer nach Erdbeben in China befürchtet
(13.05.2008)
1.000 Schüler und Lehrer einer Schule bei Erdbeben in China getötet
(13.05.2008)
70.000 Einwohner im Epizentrum Wenchuan vermisst
(13.05.2008)
Chinas Behörden vertuschten Erdbebenwarnung
(12.05.2008)
(12.05.2008)