Gesundheit - Aktuelle Nachrichten, Ratgeber und Berichte – Husten in der Pollensaison ist Alarmsignal für allergisches Asthma – Simone Utler
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Husten in der Pollensaison ist Alarmsignal für allergisches Asthma

Simone Utler

03.07.2007

Hamburg – Niesanfälle, eine laufende Nase und juckende Augen sind für Allergiker die unangenehmen Begleiter der Pollensaison. Doch es kann noch schlimmer kommen: Heuschnupfen kann zu chronischem Asthma werden. Die Mediziner sprechen dann von einem Etagenwechsel – die Allergie ist von der Nase nach unten in die Bronchien gewandert. Eine frühe Behandlung kann dies verhindern. „Vor allem bei Kindern sollte es nicht auf die leichte Schulter genommen werden“, warnt der Vorsitzende der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), Carl Peter Bauer.

Die ersten Anzeichen für einen Etagenwechsel sind Reizhusten nach körperlicher Belastung oder während der Nacht. Weitere typische Symptome für ein allergisches Asthma sind pfeifende Atmung und Atemnot – die Bronchialmuskulatur verkrampft. Die geschwollene Schleimhaut und ein zäher Schleim in den Atemwegen erschweren das Luftholen zusätzlich. „Rund 30 bis 40 Prozent der Patienten mit einem unbehandelten Heuschnupfen bekommen den Etagenwechsel“, sagt Uta Rabe, Leiterin der Abteilung für Allergologie im Johanniter-Krankenhaus in Treuenbrietzen.

Diese Patienten sollten sofort zu einem Pneumologen gehen, rät Rabe. Mit Hilfe einer Inhalation von bestimmten Substanzen kann dieser prüfen, ob sich bereits ein Asthma entwickelt hat. „Sollte man erst einige Zeit später einen Termin bei dem Facharzt erhalten, ist die Pollenzeit für einen möglicherweise schon vorbei und keine Zeichen von Asthma mehr zu erkennen“, erklärt Rabe. Daher empfiehlt sie, in einem Symptomkalender zu vermerken, an welchem Tag und wie stark Beschwerden aufgetreten sind. Dies könne der Arzt dann auch noch im Nachhinein mit dem Pollenflugkalender vergleichen.

Spezifische Immuntherapie senkt Risiko für Etagenwechsel

Eine spezifische Immuntherapie, auch Hypo- oder Desensibilisierung genannt, senkt als einzige Therapie das Risiko für den Etagenwechsel. Diese „Allergie-Impfung“, die im allgemeinen unter die Haut gespritzt wird, fördert die Bildung von Antikörpern. Ausschlaggebend für den Behandlungserfolg ist der rechtzeitige Therapiebeginn – möglichst schon im Kindesalter, wenn das erste Mal Heuschnupfen auftritt.

Bei Kindern sind einer internationalen Studie zufolge etwa sieben Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen und 15 Prozent der 13- bis 14-Jährigen an Heuschnupfen erkrankt. Bei etwa jedem dritten Kind mit Heuschnupfen entwickelt sich irgendwann zusätzlich ein allergisches Asthma.

Susanne Lau, Allergologin und Kinder-Pneumologin an der Berliner Charité, rät dazu, Kinder mit Heuschnupfen unbedingt zu behandeln, da eine dauerhafte Heilung erreicht werden kann. „Das funktioniert bei Kindern besonders gut, weil ihr Immunsystem noch gut zu manipulieren ist“, sagt Lau. Für die Pollen-Hyposensibilisierung bei Kindern habe sich gezeigt, dass bei 30 bis 40 Prozent kein Asthma folge. „Bei Erwachsenen kann Asthma zwar verbessert werden, aber im Allgemeinen ist es schwer in den Griff zu bekommen, wenn es erst mal da ist“, sagt Lau.

Wenn die Kinder Angst vor Spritzen haben, besteht die Möglichkeit, den Wirkstoff als Tablette oder Tropfen zu nehmen. Allerdings muss das in Eigenregie erfolgen und erfordert daher viel Disziplin – auch von den Eltern. Als Nebenwirkungen gebe es gelegentlich ein pelziges Gefühl auf der Zunge und gelegentlich eine Schwellung im Rachen. „Außerdem weiß man noch weniger über die Erfolge“, sagt Lau.

Allergien im Säuglingsalter verhindern

Auch Kinder mit leichtem allergischen Asthma benötigen eine konsequente Therapie. „Dadurch werden nicht nur die Symptome gebessert, sondern es kann auch verhindert werden, dass das Asthma mit den Jahren immer schlimmer oder chronisch wird“, erklärt der GPA-Vorsitzende Bauer. Denn werden Anfälle von allergischem Asthma anfangs nur durch den Kontakt mit Allergieauslösern verursacht, können im späteren Krankheitsverlauf – wenn das Bronchialgewebe durch die häufige Entzündung bereits geschädigt ist - auch unspezifische Auslöser wie Kälte, Anstrengung, Staub und Reizstoffe einen Asthmaanfall hervorrufen.

Noch besser ist es, Allergien vor ihrem Entstehen zu verhindern. Dem vom Bundesministerium für Gesundheit ins Leben gerufenen „Aktionsbündnis Allergieprävention“ zufolge gibt es eine genetische Veranlagung für allergische Reaktionen. Allerdings können demnach auch einige Umstände – vor allem im Säuglingsalter – Allergien fördern beziehungsweise verhindern. So können möglichst ausschließliches Stillen bis zum sechsten Lebensmonat, die späte und schrittweise Zufütterung von Beikost sowie ein rauchfreies und Allergenarmes Wohnumfeld helfen, das Risiko von Allergien und Atemwegserkrankungen zu vermindern. (AP)

 

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