Fernreisen - Die Welt entdecken – Im Frühtau zur Schwägalp – Harry Rosenbaum
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Touristenattraktion Im Frühtau zur Schwägalp

Harry Rosenbaum

14.06.2008

Urnäsch – Seit jeher treiben Appenzeller Bauern Mitte Juni ihr Vieh auf die Schwägalp. Der Alpaufzug, das „Öberefahre“, zeigt viel Brauchtum und ist ein Touristenrenner. 300 Rinder, Kühe und Ziegen zogen am Samstag ab 04.00 Uhr in der Früh vom ausserrhodischen Urnäsch die Passtrasse zur Schwägalp hinauf.

Mehrere hundert Touristen, Heimweh-Appenzeller und Einheimische standen bei der Schafskälte warm verpackt an der zwölf Kilometer langen Passstrasse, während die Sennen – in kurzen Ärmeln – ohne eine Spur des Fröstelns mit ihren Herden vorbeizogen. Das „Öberefahre“ erfolgt nach uralten Regeln und ist ein häufiges Sujet der Appenzeller Bauernmalerei. Jeder Herde voraus eilt ein Geissbueb mit schneeweissen Ziegen, die von einem Trachtenmädchen getrieben werden. Der Senn nimmt's etwas gemächlicher und schreitet in seinen gelben Lederhosen und weissen Wollkniestrümpfen hinten drein. Den so genannten Fahreimer hat er an die linke Schulter gehängt. Der Fahreimer ist ein reich geschnitzter hölzerner Melkeimer mit einem gemalten Bödeli.

Schon fast majestätisch wirken die drei Schellenkühe, die als erfahrene Alpgängerinnen die Herde anführen. Dahinter gehen nebeneinander vier Männer, drei davon in der Sonntagstracht mit braunen Hosen. Der Vierte, der Zusenn, trägt wie der Senn die Volltracht mit der gelben Lederhose. Das Quartett bildet eine Art Ordnungsdienst und schreitet ein, wenn ein übermütiges Rind vor lauter Alpfreude die etwas langsamer gehenden Schellenkühe überholen will.

Die Feinarbeit leisten aber die unermüdlichen Appenzeller Blässe. Sie dulden beim Vieh keinen Müssiggang und zwicken schon mal ein Rind oder eine Kuh ins Hinterbein, damit der Aufzug in Bewegung bleibt. Hinter der Viehhabe geht der Bauer, der Besitzer des Senntums. Am Schluss jeder Herde ist der Fuhrmann mit der „Ledi“. Das ist ein Wagen, der von einem Pferd gezogen wird. Darauf sind Geschirr und Werkzeug verstaut, das der Senn zur Verarbeitung der Alpmilch braucht.

Vieles im Alpaufzug wird nur noch aus Tradition mitgeführt. Damit sich die Alpwirtschaft überhaupt lohnt und nicht ganz zur Tourismusidylle verkommt, wird im Arbeitsalltag modernes Gerät eingesetzt. Die Alpfahrt auf die Schwägalp bietet auch etwas fürs Ohr. Gelegentlich stimmen die Sennen ein „Zäuerli“ – einen wortlosen, hochstimmigen Naturjodel an.

In diesem Sommer wird die Grosse und Kleine Schwägalp von 13 Herden bestossen, wie Johannes Frischknecht von der Alpgenossenschaft sagte. Die Alpfahrt auf die Schwägalp werde in steigender Zahl von Brauchtum-Touristen aus der ganzen Schweiz und auch aus dem benachbarten Ausland besucht, heisst es bei Urnäsch Tourismus.

Das Brauchtumsmuseum in Urnäsch hat der Alpfahrt erstmals eine Sonderausstellung gewidmet. Sie zeigt bis im kommenden Januar den Dokumentarfilm „Öberefahre“ der chinesischen Filmemacherin Yu Hao und eine Fotoserie des bekannten norddeutschen Fotografen Franz-Norbert Piontek. (AP)

 

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