Lebensmittel - Aktuelle Nachrichten – Im Gammelkäse-Fall offenbar keine akute Gesundheitsgefahr – Matthias Armborst
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Aktuelle Nachrichten – Lebensmittel

Lebensmittelverunreinigung Im Gammelkäse-Fall offenbar keine akute Gesundheitsgefahr

Matthias Armborst

06.07.2008

Berlin/Kempten – Im Skandal um italienischen Gammelkäse besteht für Verbraucher in Deutschland offenbar keine akute Gesundheitsgefahr. „Nach unseren Informationen liegt der Fall bereits zwei Jahre zurück“, sagte eine Sprecherin des Bundesverbraucherschutzministeriums am Wochenende. Man habe keine Hinweise darauf, dass damals produzierter Käse noch verkauft werde.

Die angeblich in den Ekelkäse-Skandal verwickelte Fabrik im Allgäu bleibt nach der Polizeirazzia vom Freitagabend geschlossen. Der Betrieb in Woringen sei für unbestimmte Zeit versiegelt. „Bis zum Eingang der Untersuchungsergebnisse werden von dem Betriebsgelände keine weiteren Produkte in den Handel gelangen“, sagte ein Polizeisprecher in Kempten.

Erhärtet habe sich der Verdacht gegen das Unternehmen bisher nicht: „Der erste Eindruck von dem Unternehmen war kein schlechter“, sagte der Polizeisprecher. Es müssten aber die bakteriologischen Untersuchungen abgewartet werden. Mit Ergebnissen rechnen die Ermittler nicht vor der Wochenmitte.

Warenströme unter der Lupe

Die Polizei im italienischen Cremona hatte am Freitag mitgeteilt, viele Tonnen verunreinigten Käseabfalls seien wieder aufbereitet und offenbar auch nach Deutschland exportiert worden. Die Betrüger hätten sich von Käsereien dafür bezahlen lassen, Käseabfall zu entsorgen. Tatsächlich sei der mit Plastikstücken und Mäuseexkrementen verunreinigte Abfall weiterverarbeitet und offenbar in Italien, Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien verkauft worden. Laut italienischem Gesundheitsministerium könnte der Gammelkäse auch in den deutschen Einzelhandel gelangt sein.

In Woringen im Allgäu durchsuchten Lebensmittelkontrolleure daraufhin die Schmelzkäse-Herstellung eines italienischen Unternehmers, der dort ein stillgelegtes Molkereigebäude der Allgäuland-Käserei gemietet hat, wie deren Geschäftsführer Manfred Herrmann sagte. Der Betrieb stelle dort mit vier oder fünf Mitarbeitern Schmelzkäse her und sei laufend kontrolliert worden.

Die SPD-Fraktion im bayerischen Landtag kritisierte, dass die Durchsuchung am Freitag Stunden vorher angekündigt worden sei: „Obwohl die Staatsregierung hoch und heilig versprochen hat, Razzien nicht mehr anzukündigen, liefen nach einer Pressemitteilung des Ministerium über drei Stunden lang die Vorwarnungen vor der beabsichtigten Kontrolle über den Äther und damit auch in das Unternehmen, was dort einen regen Verkehr auslöste“, kritisierte der Verbraucherpolitiker Herbert Müller. Die Lebensmittelkontrolle in Bayern funktioniere nach wie vor nicht.

Jahrelang keine Informationen aus Italien

Dass italienische Behörden den Gammelkäse-Skandal offenbar zwei Jahre lang nicht öffentlich machten, sorgt in Deutschland für Verärgerung. Zwar wurden nach italienischen Angaben bereits im März 2007 drei Männer wegen Betrugs festgenommen. Der Skandal wurde aber erst am Freitag durch italienische Medienberichte bekannt. „Sie hätten uns das unbedingt melden müssen“, sagte der bayerische Verbraucherschutzminister Otmar Bernhard (CSU) der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagausgabe).

Tatsache sei, dass die italienischen Behörden Bayern nicht informiert hätten – „weder vor zwei Jahren, als sie den Skandal entdeckt haben, noch später, als sie die Käsereien in Norditalien geschlossen haben“. Es sei nicht das erste Mal, das so etwas vorkomme: „Bei dem jüngsten Weinskandal war es ähnlich“, sagte der Minister. Bei weiteren Versäumnissen solle die EU ein Verfahren gegen Italien erwägen. (AP)

 

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