Foto: dapd
Hannover/Düsseldorf – Totengedenken im Flackern des Computer-Monitors: Trauernde Angehörige können zum Totensonntag (25. November) der Verstorbenen auch virtuell gedenken. Die Internetseite trauernetz.de der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) hält ein Kondolenzbuch bereit, in dem Trauernde Namen und Sterbedatum ihrer Lieben eintragen können. Eine Internet-Gemeinde betet dann bereits zum vierten Mal am Sonntag ab 18.00 Uhr gemeinsam für die Toten, wie die VELKD in Hannover mitteilte.
Mit einer Flash-Animation werde jeder Name 10 bis 15 Sekunden im Chat eingeblendet, erläuterte Pastor Ralf Peter Reimann in Düsseldorf. Er betreut den Chat von zu Hause aus und werde neben dem Bildschirm eine Kerze anzünden. Eine Kollegin unterstütze ihn von Köln aus beim virtuellen Gottesdienst.
Vaterunser wird gemeinsam per Tastatur gebetet
Im vergangenen Jahr seien rund 400 Namen in das Kondolenzbuch eingetragen worden. Etwa 80 Chat-Teilnehmer hätten damals der Toten gedacht. Sehr gerührt habe ihn damals der spontane Kommentar einer Mutter, die beim Anblick des ihr bekannten Namens "Du bist jetzt bei Gott, mein Kind" schrieb. Den Abschluss des Chats bilde ein auf der Tastatur getipptes Vaterunser, sagte Reimann. Zeile für Zeile gebe jeder Chatteilnehmer das Gebet ein. "Das ist durchaus spirituell."
Reimann verteidigte diese moderne Form des Gedenkens gegen Kritiker: "Ob die Namen von einem Blatt Papier vor dem Altar verlesen oder am Bildschirm aus einem Online-Trauerbuch eingeblendet werden, ist nicht wichtig. Entscheidend ist das Vertrauen, dass Gott niemanden vergisst." Das Thema Trauer werde heutzutage aus der Mitte der Gesellschaft verdrängt: "Trauer ist tabuisiert. 'Es muss ja weitergehen', wird dann immer gesagt." Darum könne es helfen, das Thema ins Internet zu verlagern. Dort fänden Gläubige, die nicht in einer Kirchengemeinde verwurzelt seien, einen Halt.
( http://www.trauernetz.de )
dapd
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