Jerusalem – Das junge Mädchen strahlt vor Stolz: Mitten in einem 2.000 Jahre alten Tunnelsystem in der Nähe von Jerusalem hat Abby Krewson bei einer Ausgrabung eine seltene antike Öllampe entdeckt. Sie ist keine Archäologin, sondern eine Schülerin aus den USA, die einen Teil ihres Urlaubs in Israel als Hobby-Archäologin verbringt. Eine Art, den Urlaub zu verbringen, die sie mit tausenden andere Touristen teilt.
„Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, so etwas zu finden. Es ist sehr aufregend“, erklärte die Zehntklässlerin. Touristen wie Krewson bezahlen 104 Schekel (rund 19 Euro), um einen Tag in Jahrtausende alten Tunneln im israelischen Nationalpark Bet Guvrin, rund 30 Kilometer südwestlich von Jerusalem, zu verbringen.
Etwas 30.000 bis 50.000 Teilnehmer pro Jahr zählt das Programm „Dig for a Day“ (“Grabe für einen Tag“), wie Ian Stern erklärt. Er ist Direktor der Organisation Archäologische Seminare, die von der israelischen Regierung die Lizenz für die Ausgrabungen mit Touristen hat. Seit Beginn des Projekts vor 25 Jahren haben nach Sterns Worten schon hunderttausende Hobby-Archäologen an Grabungen mitgewirkt.
Auf der ganzen Welt verteilt gibt es „Ausgrabungsferien“. So können Freiwillige beispielsweise in Polen einen mittelalterlichen Friedhof erforschen oder in der Karibik in den Ruinen einer Plantage auf die Suche nach Fundstücken gehen. Das Heilige Land ist vor allem bei christlichen Gruppen und jüdischen Jugendlichen beliebt, wie Stern erklärt. „Wir haben mehr Menschen zu einem persönlichen Kontakt mit der Archäologie verholfen als sonst irgendjemand auf der Welt“, sagt er.
Mit den jährlich rund 750.000 Euro, die das Projekt abwirft, können wichtige archäologische Arbeiten wie das Waschen von Tonscherben, die Dokumentation von Fundstücken und die Veröffentlichung von Fachartikeln und akademischen Zeitschriften finanziert werden.
Beverly Horne, eine Touristin aus Philadelphia, freut sich riesig, die Stätten, von denen sie in der Bibel gelesen hat, nun mit eigenen Augen zusehen und bei Ausgrabungen Geschichte spürbar zu erleben. „Wir haben Sachen in der Hand, die seit 2.000 Jahren niemand mehr berührt hat“, schwärmt sie. „Das ist total spannend. Ich kann gar nicht abwarten, meinen Kindern davon zu erzählen.“
Für Reynaldo Villarreal, einen christlichen Urlauber aus Texas, sind die Ausgrabungen etwas ganz Besonderes: Er hat vor kurzem erfahren, dass seine Vorfahren Juden waren, die während der Inquisition aus Spanien nach Mexiko flohen und später in die USA einwanderten. In der kühlen Höhle ist Villarreal auf Tonscherben und Tierknochen gestoßen. „Es ist hochinteressant, an der Ausgrabung hier mitzuwirken und an die Leute zu denken, die einst hier lebten“, erklärt er.
Die Höhlen wurden in hellenistischer Zeit vor etwas 2.200 Jahren erbaut. Sie befinden sich in der Nähe von Maresha, der antiken Hauptstadt des biblischen Edom und dem möglichen Geburtsort von König Herodes dem Großen. Die Ausgrabung hier sei eine der ergiebigsten auf der ganzen Welt, erläutert Stern. „Die Leute finden hier so viel, dass sie misstrauisch werden und glauben, wir hätten extra selbst etwas verbuddelt. Aber das hier ist nicht Disney Land, das ist real.“
Die Gruppe beendet den Tag im Kriechgang durch eine unberührte Höhle, wo der Dreck fast bis zur Decke reicht. Dieser Abschluss hilft den Teilnehmern des Projekts dabei, einen Eindruck davon zu bekommen, wie viel Arbeit schon an der Ausgrabungsstätte bewältigt wurde, reichen die Gewölbedecken hier doch oft bis in eine Höhe bis zu sieben Meter.
Informationen über das Projekt „Dig for a day“ and andere archäologische Touren finden Interessenten im Internet unter archesem.com. Die Kosten betragen umgerechnet für Erwachsene 19 Euro und für Kinder 15 Euro. Eintrittsgelder für den Bet Guvrin National Park sind darin nicht enthalten.
Bet Guvrin National Park: Am besten kommt man mit einem Tourbus zu dem Park, da keine Linienbusse zu dem Park fahren. Die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Auch ein Mietwagen ist eine gute Möglichkeit; die Fahrt führt durch eine landschaftlich reizvolle Gegend. Weitere Informationen zum Park im Internet unter parks.org.il/ParksENG/ oder telefonisch unter (011) 972-8-681-1020 oder (011) 972-8-681-2957. Der Eintritt in den Nationalpark kostet umgerechnet 4,20 Euro für Erwachsene, Kinder zahlen knapp die Hälfte.
Weiter Informationen zu archäologischen Reisen in aller Welt im Internet unter archaeolink.com/archaeological_vacations_archaeo.htm. (AP)