Aktuelle Nachrichten – Erneuerbare Energie
09.04.2010
Bonn (apn) Die Zahl der Solaranlagen auf deutschen Dächern steigt immer schneller. Allein 2009 erhöhte sich die installierte Leistung der Photovoltaik-Anlagen um über 60 Prozent auf 9,8 Gigawatt, wie die Bundesnetzagentur am Freitag mitteilte. Besonders drastisch war die Zunahme im letzten Quartal des vergangenen Jahres mit einem Plus von 2,3 Gigawatt, was etwa der Leistung von zwei modernen Atomreaktoren entspricht.
Dennoch ist die Stimmung in der Regenerativen Energiewirtschaft katastrophal. Der Geschäftsklima-Index der Branche fiel im März auf ein Sechs-Jahres-Tief, wie das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) mitteilte. Trotz der Absatzrekorde des vergangenen Jahres sieht sich die Branche gleich aus mehreren Richtungen unter Druck, wie IWR-Direktor Norbert Allnoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD betonte.
Zum einen seien bereits im vergangenen Jahr die Preise für Solarmodule drastisch eingebrochen. Zudem befürchten die Hersteller einen Nachfragerückgang wegen der sinkenden Vergütungen für Erneuerbare Energien. Außerdem sorge die Debatte über eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke für Unsicherheit bei den Herstellern. „Die Nervosität ist sehr hoch, vor allem was die Konsequenzen der Laufzeitverlängerung auf den Energiemix angeht“, meinte Allnoch.
Nach wie braucht Solarstrom vor viel höhere Subventionen als Wind- oder Bioenergie, wie aus dem von der Aufsichtsbehörde vorgestellten EEG Statistikbericht 2008 hervorgeht. Von den rund 9 Milliarden Euro an Vergütungen, die 2008 gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gezahlt wurden, gingen 25 Prozent an die Betreiber von Solaranlagen. Dabei entfielen nur 18 Prozent installierten Leistung und sogar nur 6 Prozent der eingespeisten Strommenge auf die Sonnenenergie.
Deutlich besser schnitt die Windkraft ab. Auf sie entfielen 67 Prozent der installierten Leistung und 57 Prozent der eingespeisten Strommenge, aber nur 29 Prozent der Vergütungen. Die Biomasseanlagen machten nur zehn 10 Prozent der installierten Leistung aus, produzierten aber 30 Prozent des eingespeisten Stroms und kassierten dafür auch 30 Prozent der Vergütungen.
Nach dem EEG erhalten erhalten Betreiber von Solar-, Wind- und Biomasseanlagen für den produzierten Strom garantierte Einspeisevergütungen, die deutlich über den Preisen für normalen Strom liegen. Die Differenz zwischen garantierten Zahlungen und den Einnahmen aus der Vermarktung des Stroms an der Börse wird über eine Umlage von den Stromverbrauchern finanziert. In diesem Jahr beträgt sie gut 2 Cent pro Kilowattstunde.
Doch rechnen Experten wegen des stürmischen Ausbaus der erneuerbaren Energien mit einem weiteren Anstieg der Umlage in den kommenden Jahren. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, versuchte allerdings am Freitag die Angst vor einer Preisexplosion zu dämpfen. „Aussagen, dass sich die EEG-Umlage für 2011 aufgrund der Zunahme von EEG-Strom verdoppelt, sind verfrüht“, betonte er. Zwar sei in diesem Jahr mit mehr Sonnen-, Wind- und Biomasseanlagen zu rechnen. Doch hänge die Entwicklung der EEG-Umlage auch von vielen anderen Faktoren ab. Dazu gehöre etwa die Entwicklung der Preise an den Strombörsen.
Deshalb sollten Verbraucher Kurth zufolge kritisch sein, wenn Energieversorger Preissteigerungen allein mit der Erhöhung der EEG-Umlage begründen und Wechselmöglichkeiten zu günstigeren Anbietern prüfen. (AP)
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