Düsseldorf – Lange haben die Stromkunden die Preiserhöhungen der Energieversorger fast ohne Widerstand hingenommen. Doch das ist jetzt offenbar vorbei: Die drastischen Preiserhöhungen dieses Jahres und die jüngsten Ankündigungen weiterer Verteuerungen in den nächsten Monaten haben viele Kunden wachgerüttelt. Die Zahl der Verbraucher, die auf der suche nach billigerem Strom den Anbieter wechseln, werde sich deshalb in diesem Jahr wahrscheinlich fast verdoppeln, glaubt die Bundesnetzagentur.
2006 machten nach den Zahlen der Wettbewerbsbehörde knapp 690.000 Stromkunden von der Wechselmöglichkeit Gebrauch. In diesem Jahr könnten es nach Einschätzung von Behördensprecherin Renate Hichert bis zu 1,3 Millionen werden. Schließlich hätten schon in der ersten Jahreshälfte 520.000 Kunden ihrem Anbieter die rote Karte gezeigt.
Gemessen an den knapp 40 Millionen Haushalten in Deutschland ist das noch immer nicht viel: gerade einmal 3 Prozent der Haushalte dürften in diesem Jahr beim Strombezug neue Wege gehen.
Doch der Trend gewinnt noch an Fahrt. Das bestätigt auch Dagmar Ginzel vom Verbraucherportal Verivox. „Wir merken seit Juli, als die Genehmigungspflicht für die Grundversorgungstarife wegfiel, dass durch die Verbraucher ein Ruck gegangen ist, dass sie aufmerksam werden und vermehrt wechseln“, berichtete sie.
Schwierig oder gar gefährlich ist der Wechsel nicht. „Es kann nichts passieren. Man steht auf keinen Fall ohne Strom da. Denn wenn etwas nicht funktioniert, muss der Grundversorger einspringen“, versucht die Sprecherin der Bundesnetzagentur die Bedenken vieler Stromkunden zu zerstreuen. Man müsse sich lediglich für einen Anbieter entscheiden. Denn Rest übernehme dann der neue Stromlieferant.
Immerhin haben seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 nach Angaben des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) schon rund vier Millionen Stromkunden – 10 Prozent aller Haushalte – den Stromlieferanten gewechselt. Weitere 15 Millionen haben einen anderen Tarif bei ihrem bisherige Stromlieferanten gewählt.
Denn auch das sollten Stromkunden wissen: praktisch alle Regionalversorger und Stadtwerke haben neben ihren Grundversorgungstarifen noch günstigere Offerten für Wechselwillige im Angebot. Man muss nur danach fragen.
Eine wichtige Anlaufstelle für Wechselwillige sind die Verbraucherzentralen. Sie haben in diesem Sommer eine bundesweite Kampagne gestartet, um Stromverbraucher zum Wechsel zu günstigeren Anbietern zu bewegen. Rund 60 Euro könne jeder Haushalt durchschnittlich dadurch einsparen, rechneten die Verbraucherschützer nach einem Preischeck in den 100 größten deutschen Städten aus. Im Einzelfall könnten sich die Einsparungen sogar auf 185 Euro summieren.
Mut machte zögernden Stromkunden am Mittwoch auch Bundesverbraucherminister Horst Seehofer. „Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind nicht hilflos bei steigenden Preisen, denn sie haben Marktmacht. Wir empfehlen, im Falle einer drohenden Strompreiserhöhung den Anbieter zu wechseln“, betonte der Minister. (AP)
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