Aktuelle Nachrichten – Deutschland
08.03.2009
Köln – Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hätte nach Einschätzung der Ingenieurkammer NRW möglicherweise verhindert werden können. Die längere Zeit vor dem Unglück aufgetretenen Risse seien nicht auf ihre Ursachen hin überprüft worden. „Da hätte man mehr tun müssen, und dann wäre man irgendwann drauf gekommen, da bewegt sich was, da tut sich was in der Erde. Und wenn man das erkannt hätte, dann wäre der Unfall vermieden worden“, sagte der Vizepräsident der Ingenieurkammer und Sachverständige für Gebäude-Statik, Heinrich Bökamp, im WDR-Magazin „Westpol“ nach einer Mitteilung von Sonntag.
Im Kölner Stadtarchiv waren demnach bereits Ende 2008 bis zu vier Zentimeter breite Risse entdeckt worden. Die Stadt hatte dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben, das weitere Untersuchungen empfohlen hatte. Sowohl die Stadt Köln als auch die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) seien dieser Empfehlung jedoch nicht gefolgt, berichtete das Magazin.
Bökamp erklärte, natürlich seien die Risse nicht die Ursache der Katastrophe, aber ein Alarmsignal. Er kritisierte besonders, dass die Stadt auf das ihr vorliegende Gutachten nicht reagiert hat. „Das grenzt an Schlamperei.“
Der Kölner Geotechniker Josef Steinhoff sagte dem WDR zu Kontrollen beim Bau der Kölner U-Bahn: „Man hätte die Qualitätsstandards bei einer solchen Baugrube höher gestalten können.“ Weltweit übliche Messverfahren, die die Dichtigkeit der abstützenden Betonwände überprüfen können, seien nicht angewandt worden, weil sie in Deutschland nicht vorgeschrieben seien. Der Experte fordert als Konsequenz aus der Katastrophe eine gesetzliche Verschärfung der Baustandards. (AP)
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