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Internationaler Frauentag: «Abpfiff» für Zwangsprostitution und Menschenhandel

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08.03.2006

Fast noch Kinder: Frauen ohne Chance auf normales Leben. Erst verraten, dann verkauft, dann verhaftet und abgeschoben. (Foto: Sean Gallup/Getty Images)
Fast noch Kinder: Frauen ohne Chance auf normales Leben. Erst verraten, dann verkauft, dann verhaftet und abgeschoben. (

Foto: Sean Gallup/Getty Images)

Undercover-Agent gegen Sexual-Delikte. (
Undercover-Agent gegen Sexual-Delikte. (

Foto: David McNew/Getty Images)

Berlin - Drei Monate vor der Fußball-WM hat der Deutsche Frauenrat seine Kampagne «Abpfiff» gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel gestartet. Anlässlich des internationalen Frauentags wurde das Projekt, dessen Schirmherrschaft DFB-Präsident Theo Zwanziger und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit übernommen haben, am Dienstag in Berlin offiziell vorgestellt. Ziel ist es, die Fußballweltmeisterschaft zu nutzen, um Aufmerksamkeit auf das blühende kriminelle Geschäft mit sexueller Ausbeutung zu lenken.

Um die «miese Geschichte» unter Kontrolle zu bekommen, gelte es, Aufmerksamkeit zu wecken und Aufklärung an den Mann zu bringen, sagte Zwanziger. Großereignisse wie die Weltmeisterschaft leisteten auch «schändlichen Delikten» wie Zwangsprostitution Vorschub. «Wir können nicht so tun, als ginge uns das nichts an.» Das große Sportereignis biete eine «Chance, auch ein großes Unrecht zu bekämpfen».

Menschenhandel und Zwangsprostitution seien weltweit zu einem lukrativen Markt mit Milliardengewinnen geworden wie Drogen- und Waffenhandel, beklagten die Initiatoren der Kampagne. Rund 2,4 Millionen Frauen, Männer und Kinder fielen ihm nach Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) jährlich zum Opfer, die Gewinne weltweit würden auf 32 Milliarden US-Dollar beziffert. In Deutschland schätzt das BKA den von einer Zwangsprostituierten erwirtschafteten Umsatz auf 35.000 bis 100.000 Euro jährlich.

«Fakt ist: Das Geschäft mit Frauen boomt», erklärte die Vorsitzende des Frauenrats, Brunhilde Raiser. Es finde mitten in der Gesellschaft statt, bis hinein in die so genannten guten Kreise. «Es ist ein Skandal, dass das Thema in der Öffentlichkeit so wenig Beachtung findet.» Daher wolle «Abpfiff» die WM als Bühne nutzen, um mit Aktionen für eine bessere nationale und internationale Zusammenarbeit gegen Zwangsprostitution und für besseren Schutz der Opfer zu werben.

Die WM werde wie andere Großveranstaltungen die Nachfrage im Rotlichtmilieu ansteigen lassen, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, voraus. Darauf stelle sich der «moderne Sklavenmarkt» ein. Frauen vornehmlich aus in Osteuropa werde ein einträglicher Job im Westen etwa als Diskothekenkraft versprochen. Dann würden sie misshandelt, vergewaltigt, zur Prostitution gezwungen und bekämen ihre Papiere abgenommen. Allein in Europa würden rund eine halbe Million Frauen im Netz organisierter Banden festgehalten und sexuell ausgebeutet.

Appelle an Freier

Fielen sie bei einer Razzia im Bordell auf, würden sie abgeschoben und der Zuhälter werde nach Jahren zu zwei oder drei Jahren verurteilt. «Das reicht nicht aus», kritisierte Freiberg. Er forderte unter anderem eine Kronzeugenregelung, um die Opfer zu Aussagen im Prozess zu gewinnen, und mehr spezialisierte Ermittler. Hinweise der Freier seien oft entscheidend dabei, dass Zwangsprostitution aufgedeckt werde.

Mit ein wenig Einfühlungsvermögen sei sehr wohl zu erkennen, ob eine Frau sich gezwungenermaßen prostituiere, gab die Kriminalbeamtin Heike Rudat zu bedenken. Ein Alarmzeichen sei beispielsweise, wenn sie bestimmte Sexualpraktiken erkennbar gegen ihren Willen ausübe, oder wenn ein Fahrer sie ins Hotel bringe und gleich selbst das Geld abkassiere. Wenn eine Frau eingeschüchtert und verängstigt sei, «das spürt man doch».

 

http://www.abpfiff-zwangsprostitution.net

http://www.frauenrat.de/

 

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