Aktuelle Nachrichten – International
06.03.2010
Foto: AP Photo/Karim Kadim
Bagdad (apn) Kurz vor der Wahl im Irak sind sie wieder zurückgekehrt, die schiitischen Milizionäre, die den Irak schon einmal an den Rand eines Bürgerkriegs gebracht haben. Viele Sunniten fürchten nun, dass die Gewalt wieder zunimmt. Aus Angst vor Übergriffen haben viele ihre Wohnungen zumindest vorübergehend verlassen.
Der 26-jährige Universitätsmitarbeiter Omar al Dschuburi berichtet, er habe einige der schiitischen Milizionäre jetzt wieder auf der Straße gesehen, die ihn vor fünf Jahren zur Flucht aus seinem Stadtteil im Süden Bagdads veranlassten. „Ich habe die Gefahr erkannt, also haben wir das Haus abgeschlossen und sind gegangen“, sagt Al Dschuburi, der mit seiner Frau und zwei Kindern zu Verwandten in einen anderen Teil Bagdads gezogen ist. „Wir sind geflohen, damit meine Kinder weiter einen Vater haben und nicht zu Waisen werden.“
Die schiitischen Milizionäre gehörten der Mahdi-Armee des radikalen Predigers Muktada al Sadr an, die damals in großen Teilen Bagdads herrschte, bevor sie von den US-Truppen zurückgedrängt wurde. Vor der Wahl am Sonntag sind nun einige von ihnen wieder da, allerdings weniger als früher und sie verhalten sich zunächst auch nicht so auffällig. Sie machen sich aber offenbar Hoffnung, dass die US-Truppen den Irak schon bald verlassen könnten.
Hinzu kommt, dass sich Al Sadr entschieden hat, einer schiitischen Allianz beizutreten, die im nächsten Parlament die größte Fraktion stellen könnte. Sie hätte damit auch das Recht, den künftigen Ministerpräsidenten zu benennen.
Die Gewalt im Irak ist zwar inzwischen stark zurückgegangen, in jüngster Zeit sollen aber Drohungen in einigen Vierteln von Bagdad wieder zugenommen haben. Abdul-Asim Mohsen, ein Sunnit, bekam in der vergangenen Woche einen Brief, in dem er mit dem Tode bedroht wurde, wenn er nicht sein Haus im Stadtteil Baijaa verlässt. Die Nachbarn hätten zwar versprochen, ihm zu helfen, sagt Mohsen. Aber er werde es nicht darauf ankommen lassen, sondern sein Haus verkaufen und in den sunnitischen Stadtteil Amarijah ziehen. „Flucht ist meine einzige Chance“, sagt er.
Aber auch einige Schiiten machen sich Sorgen, dass die Wahl zu einer Zunahme der Gewalt seitens extremistischer Sunniten führen könnte. Der Grund für ihre Befürchtungen ist, dass die Wahlkommission mehr als 400 zumeist sunnitische Kandidaten von der Wahl ausgeschlossen hat, weil sie Beziehungen zum Regime von Saddam Hussein gehabt haben sollen. Etliche Sunniten sahen darin eine Benachteiligung ihrer Bevölkerungsgruppe. Bei einem der schlimmsten Verbrechen der jüngsten Zeit wurden im vergangenen Monat in einem Dorf südlich von Bagdad, in dem sowohl Sunniten als auch Schiiten leben, acht Mitglieder einer schiitischen Familie erschossen und enthauptet.
Mit zu den Spannungen trägt bei, dass der Wahlkampf im Irak sehr volksgruppenspezifisch geführt wird. Auch die Wahlentscheidung fällt meist entsprechend der Zugehörigkeit zu einer der Volksgruppen. 60 bis 65 Prozent sind Schiiten, Sunniten und Kurden kommen jeweils auf etwa 15 Prozent. Die übrigen gehören kleineren Gruppen wie den Christen an. (AP)
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