Aktuelle Nachrichten – Deutschland
31.05.2011
Neu-Delhi – Die Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Indien ist schon beim Hinflug von einem diplomatischen Zwischenfall überschattet worden. Der Iran verweigerte der Kanzlermaschine auf dem Weg zu den deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Neu Dehli in der Nacht von Montag auf Dienstag zunächst den Flug durch seinen Luftraum.
Die "Konrad Adenauer" kreiste auf ihrem ersten offiziellen Einsatz einige Zeit über der Türkei und traf erst mit mehr als zweistündiger Verspätung in Neu Dehli ein. Kanzlerin Merkel nahm es gelassen: "Jedenfalls ist das ein interessanter Reisebeginn."
Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, einen solchen Vorfall habe es noch nicht gegeben. Erst nach gut einstündigen Verhandlungen – die zum Teil von Merkels Außenberater Christoph Heusgen aus dem Flugzeug heraus, zum Teil zwischen der Türkei und dem Iran geführt wurden und in die sich zuletzt auch das Auswärtige Amt in Berlin einschaltete – änderten die Iraner demnach ihre Meinung und ließen die Maschine passieren.
Die Einigung erfolgte gerade noch rechtzeitig. Hätten die Verhandlungen länger gedauert, hätte die Kanzlermaschine in der türkischen Hauptstadt Ankara landen müssen, um nachzutanken, wie es hieß. Ein Verschulden auf deutscher Seite schloss Seibert aus. Gründe für die Entscheidung der Iraner waren zunächst nicht bekannt.
Merkel war in das Geschehen nicht direkt involviert, wie Seibert erklärte. "Die Bundeskanzlerin hatte anderthalb Stunden Schlaf mehr", meinte er. "Insgesamt kann man sagen: Mindestens ungewöhnlich."
Die Odyssee Merkels, die von Politikern und Journalisten begleitet wurde, begann im Zeitraum zwischen ein Uhr und 1.30 Uhr deutscher Zeit am Dienstagmorgen, rund vier Stunden, nachdem die "Konrad Adenauer" vom militärischen Teil des Flughafens Tegel in Berlin abgehoben hatte. Der Airbus A 340 flog ungefähr auf der Hälfte der 5.791 Kilometer langen Strecke spürbar langsamer, kurz vor zwei Uhr wurde der Grund vernehmbar: Der Iran verweigere der Maschine den Überflug, hieß es. Eine Genehmigung sei vorher beantragt und der Überflug auch bewilligt worden. Warum der Iran sich dann anders entschied, blieb zunächst offen. Selbst langjährige Flugbegleiter konnten sich nicht an einen ähnlichen Vorfall erinnern.
Ausweislich der auf den Monitoren dargestellten Flugstrecke flog die "Konrad Adenauer" auf ihrem Weg von Deutschland über die Türkei zwar ein Stück weit auf iranisches Gebiet. Sie zog dann aber kurz hinter der iranischen Grenze mehrere Runden und drehte schließlich wieder Richtung Westen und Türkei ab. Seibert bestätige den Vorgang später.
Etwa um 2.15 Uhr kreiste die Maschine über der Türkei, die Monitore mit der Darstellung der Flugroute wurden abgeschaltet. Gegen 2.25 Uhr hieß es, es werden "auf politischem Wege" versucht, den Überflug doch noch genehmigt zu bekommen. An eine pünktliche Landung in Neu- Delhi – geplant für etwa 8.30 Uhr Ortszeit und damit fünf Uhr morgens deutscher Zeit – war da schon nicht mehr zu denken. Immerhin: Treibstoff sei genügend vorhanden, versicherte die Crew.
Um 3.15 Uhr dann Entwarnung. Die Maschine befinde sich wieder auf ihrem ursprünglichen Kurs Richtung Indien, hieß es. Die schematische Darstellung der Flugroute zeigte etwa eine halbe Stunde später, dass die "Konrad Adenauer" in knapp zwölf Kilometern Höhe tatsächlich weit in den iranischen Luftraum vorgedrungen war.
Gegen elf Uhr erfolgte dann die sichere Landung in Neu-Dehli. Zu diesem Zeitpunkt allerdings hätte die Kanzlerin, die nach den Regierungskonsultationen noch ein umfangreiches Programm zu absolvieren hatte, längst mit dem indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh an einem Tisch sitzen sollen.
Am morgigen Mittwoch wollte Merkel nach Singapur weiterreisen. Die Rückreise nach Berlin war für Donnerstag geplant. Ob die Route auch wieder über den Iran führen wird, war zunächst noch offen.
(dapd)
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