Aktuelle Nachrichten Welt - News und Hintergründe – Iran testet neue Mittelstreckenrakete – Ali Akbar Dareini
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Politischer Schachzug Iran testet neue Mittelstreckenrakete

Ali Akbar Dareini

20.05.2009

Der Iran testete eine neue Rakete mit einer Reichweite von rund 2.000 Kilometern.  (AP Photo/IRIB via APTN)
Der Iran testete eine neue Rakete mit einer Reichweite von rund 2.000 Kilometern. (AP Photo/IRIB via APTN)

Teheran – Allen internationalen Warnungen zum Trotz hat der Iran am Mittwoch eine neue Rakete mit einer Reichweite von rund 2.000 Kilometern getestet. Präsident Mahmud Ahmadinedschad verkündete den erfolgreichen Start im Rundfunk persönlich, was Beobachter vor allem als politischen Schachzug vor der Wahl am 12. Juni werteten. Die USA reagierten mit Empörung und warnten vor einem Wettrüsten im Nahen und Mittleren Osten. Mit der Rakete könnten Israel und regionale US-Stützpunkte erreicht werden.

„Verteidigungsminister Mostafa Mohammed Nadschar hat mich darüber informiert, dass die technisch weit fortgeschrittene Sadschil-2-Rakete in Semnan östlich von Teheran gestartet wurde und ihr Ziel präzise getroffen hat“, erklärte Ahmadinedschad. Analysten wiesen darauf hin, dass es sich dabei um eine Rakete mit festen Treibstoff handele. Diese garantiere mehr Präzision als vergleichbare Raketen mit flüssigem Treibstoff wie etwa die iranische Schahab-3. Nach Angaben aus Teheran verfügt die Sadschil-2 zudem über ein neues Navigationssystem von höchster Präzision.

Zwei Vertreter der US-Regierung bestätigten den iranischen Raketentest. Ein ranghoher Beamter wertete den Abschuss als Erfolg für den Iran. Ein weiterer Beamter erklärte, Reichweite, Flugbahn und weitere Einzelheiten seien vorerst unklar. Außenministerin Clinton verwies auf das iranische Atomwaffenpotenzial und sprach von einer „außergewöhnlichen Bedrohung“. Die USA würden weiter versuchen, die Regierung in Teheran davon zu überzeugen, dass sie mit der Produktion von Atomwaffen letztlich ihre eigene Sicherheit gefährde.

Erste gemeinsame amerikanisch-russische Studie

Der Raketentest schien die Aussagen eines am Dienstagabend vorgestellten Berichts zu belegen, wonach der Iran in ein bis drei Jahren einen einfachen Atomsprengsatz produzieren könnte. Etwa fünf Jahre danach könnte das Land auch eine Atombombe herstellen, erklärten amerikanische und russische Forscher des EastWest-Instituts. Es handelte sich um die erste gemeinsame amerikanisch-russische Untersuchung zum atomaren Potenzial Teherans.

In dem Bericht wird erläutert, dass der Iran in jüngster Zeit bedeutende Fortschritte in der Raketentechnologie gemacht habe. In „vielleicht sechs bis acht Jahren“ könne deshalb eine Rakete entwickelt werden, die einen 1.000 Kilogramm schweren Sprengkopf bis zu 2.000 Kilometer weit tragen könne. Die Reichweite von 2.000 Kilometern wurde der am Mittwoch gestarteten Sadschil-2 dann bereits zugeschrieben.

In dem Forschungsbericht hieß es weiter, es sei völlig unmöglich zu sagen, bis wann der Iran eine Interkontinentalrakete entwickeln könnte. Ohne Hilfe von außen könnten es noch mindestens zehn bis 15 Jahre sein. Eine unmittelbare Gefahr, dass Teheran Mittel- oder Langstreckenraketen abfeuern wolle, gebe es nicht, erklärten die Experten. Sollte dies aber beabsichtigt sein, so böte die geplante US-Raketenabwehr in Europa keinen verlässlichen Schutz. Mit der Einrichtung des System in Polen und Tschechien fortzufahren, sei deshalb nicht sinnvoll.

Der Iran bestreitet, ein Atomwaffenprogramm zu betreiben. Nach Ansicht der Experten hat die Regierung aber bislang Fragen zu den möglichen militärischen Dimensionen ihres Nuklearprogramms nicht ausreichend beantwort. Bis Februar 2009 hat der Iran dem Bericht zufolge 1.010 Kilogramm schwach angereichertes Uran für Atombrennstäbe produzieren können. Daraus könnte hochangereichertes Uran für einen Atomsprengsatz gewonnen werden. (AP)

 

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