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11.05.2009
Dublin – Mit einem gefälschten Wikipedia-Eintrag hat ein irischer Student gezeigt, wie leicht in einer schnelllebigen und zunehmend vom Internet abhängigen Medienwelt die Wahrheit verdreht werden kann. Als der französische Komponist Maurice Jarre in der Nacht zum 29. März starb, bereicherte der 22-jährige Shane Fitzgerald den entsprechenden Artikel in der freien Internet-Enzyklopädie um ein erfundenes Zitat. Die blumigen Worte waren ganz bewusst so verfasst, dass sie perfekt in einen Nachruf passen würden. Sein Test-Ergebnis: Wikipedia hat bestanden, die Weltpresse ist durchgefallen.
Nur wenige Stunden nach dem Tod des Komponisten erschienen die Fälschungen in den Internet-Ausgaben von namhaften Zeitungen aus Großbritannien, Australien, Indien und den USA. Und das, obwohl die Wikipedia-Redaktion das Zitat gleich zweimal wegen mangelnder Zuordnung aus dem Lexikon-Artikel über Maurice Jarre gelöscht hatte. Erst als der irische Student einen Monat später mit seinem Experiment an die Öffentlichkeit ging, flog der Schwindel auf.
Fitzgerald wollte nach eigenen Angaben für eine Soziologiearbeit testen, wie schnell sich Nachrichten heute rund um den Erdball verbreiten und wie sehr sich Journalisten bei ihren Recherchen auf Wikipedia verlassen. Das Ergebnis habe ihn in seiner Deutlichkeit selbst überrascht, sagte er am Montag in einem Interview.
„Man könnte sagen, mein Leben selbst ist ein einziger langer Soundtrack gewesen“, hatte der Student des University College Dublin dem mit drei Oscars ausgezeichneten Komponisten als Zitat in den Mund gelegt. „Wenn ich einmal sterbe, wird in meinem Kopf ein letzter Walzer spielen, den nur ich hören kann“, hieß es auf Wikipedia weiter. Weil niemand den Betrug aufdeckte, machte Fitzgerald einige der auf seinen Trick hereingefallenen Redaktionen schließlich selbst auf ihren Fauxpas aufmerksam.
Die britische Zeitung „The Guardian“ hat vor einer Woche öffentlich zugegeben, dass ihr Nachruf-Schreiber das Zitat einfach aus dem Internet abgeschrieben hatte. Andere korrigierten ihre Schlamperei kommentarlos, auf einigen Internet-Seiten wird die Fälschung noch immer als echtes Zitat verkauft.
Fitzgerald beteuert, dass er mit seinem Experiment keine bösen Absichten hegte. Er habe nur zeigen wollen, in welchem Maße das heutige Mediensystem anfällig für Manipulationen ist. „Ich bin überzeugt, wenn ich mich nicht zu erkennen gegeben hätte, wäre mein Zitat als etwas in die Geschichte eingegangen, das Maurice Jarre wirklich gesagt hat.“ Es hätte nach Ansicht des Studenten zu einem weiteren Beispiel dafür werden können, dass etwas zu einem Fakt wird, wenn es nur oft genug unwidersprochen in den Medien geschrieben steht. (AP)
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