Reykjavik - Nach Norwegen will auch Island trotz eines internationalen Verbots wieder kommerziell Wale jagen. Das Fischereiministerium in Reykjavik gab am Dienstag 30 Zwergwale und neun Finnwale zur Jagd frei, die bis Ende August kommenden Jahres erlegt werden dürfen. Island hatte den Walfang 1989 eingestellt, seit 2003 dürfen die Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken getötet werden.
Vor der Küste Islands gebe es mehr als 43.000 Zwergwale und 25.000 Finnwale, erklärte das Fischereiministerium. Das Fleisch der Tiere sei in erster Linie für den einheimischen Markt gedacht, möglich seien aber auch Exporte ins Ausland. Nach Angaben des isländischen Marineinstituts wurden seit 2003 zu wissenschaftlichen Zwecken 161 Zwergwale getötet.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace verurteilte die Entscheidung der Regierung am Dienstag. Mit der Wiederbelebung einer «unnötigen Industrie» schade Island seinem internationalen Ansehen, sagte Sprecher Frode Pleym.
Auf der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im Juni hatte sich das Gewicht erstmals seit Jahren zu Gunsten der Befürworter der kommerziellen Jagd verschoben. Die Delegierten hatten mit knapper Mehrheit für ein Kippen des seit 1986 geltenden Walfangverbots gestimmt. Für eine Abschaffung des Verbots ist die Zustimmung von 75 Prozent der IWC-Mitglieder notwendig. Das Votum markierte nach Einschätzung von Beobachtern aber eine bedeutende Machtverschiebung zu Gunsten der Walfangverfechter.
Kritiker sehen im Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken, wie ihn Japan und Island betreiben, lediglich einen Vorwand. Norwegen ignoriert das Verbot vollständig und führt offen kommerziellen Walfang durch.
(AP)