Kultur – Island präsentiert sich als "Büchernation" – Kathrin Hedtke
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Frankfurter Buchmesse Island präsentiert sich als "Büchernation"

Kathrin Hedtke

06.06.2011

Rund um den Ehrengast-Auftritt bei der Frankfurter Buchmesse erschienen fast 180 Islandtitel auf dem deutschen Markt. Foto: Michael Probst/AP Photo
Rund um den Ehrengast-Auftritt bei der Frankfurter Buchmesse erschienen fast 180 Islandtitel auf dem deutschen Markt.

Foto: Michael Probst/AP Photo

Frankfurt/Nation – Zur Frankfurter Buchmesse will sich das diesjährige Gastland Island als "Büchernation" präsentieren. Rund um den Ehrengastauftritt erschienen fast 180 Islandtitel auf dem deutschen Markt, sagte der Direktor des Organisationsteams "Sagenhaftes Island", Halldór Gudmundsson, am Montag in Frankfurt. Die Hälfte davon sei Belletristik. Besonders erfreut zeigte er sich über die fünfbändige Neuübersetzung der mittelalterlichen Sagas. Doch auch Lyrikbände, Theaterstücke und Krimis seien vertreten – die gesamte Bandbreite der Literatur.

Abgesehen von Vulkanausbrüchen tauche Island kaum in den Nachrichten auf. Deshalb wolle das Land die Buchmesse nutzen, um sich als Literaturnation vorzustellen. Jeder der rund 318.000 Isländer kaufe im Schnitt acht Bücher im Jahr, sagte Gudmundsson. Pro Einwohner würden doppelt so viele Titel veröffentlicht wie in anderen nordischen Ländern. Zur Buchmesse werden rund 30 isländische Autoren in Frankfurt erwartet, darunter die Krimiautoren Arnaldur Indridason und Yrsa Sigurdardóttir sowie der diesjährige Preisträger des Nordischen Literaturpreises, Gyrdir Eliasson.

Private Einblicke

Auf der Buchmesse soll auch ein privater Einblick in die literarischen Vorlieben der Insel gegeben werden. Die Isländer hätten über 2.000 Fotos ihrer Heimbibliotheken geschickt, die in im Pavillon ausgestellt würden, sagte der Direktor von "Sagenhaftes Island". Die meisten isländischen Haushalte hätten ihre eigene, kleine Bibliothek. Ohne dieses lebhafte Interesse an der Literatur könnte sich ein selbstständiges Verlagswesen mit rund 30 Verlagen in einem so kleinen Land gar nicht halten, fügte er hinzu.

Da sich die Sprache den Angaben zufolge seit dem Mittelalter kaum verändert hat, können die Isländer die ersten Schriften des Landes im Original lesen. Die ehemalige isländische Präsidentin Vigdis Finnbogadóttir betonte: "Die Sprache macht uns zu dem, was wir sind." Die Literatur bedeute den Isländern am meisten.

Mit Geschichten gewärmt

Die Vulkaninsel habe keine Wälder, aus denen sich Kunstwerke schaffen ließen. "Das einzige Material, aus dem man bei uns was schaffen kann, ist das Wort", sagte Finnbogadóttir. In dem Land hoch im Norden sei es im Winter oft kalt und dunkel, die Menschen hätten sich in diesen Zeiten mit Geschichten gewärmt. Diese Sagas und Volkserzählungen seien von Generation zu Generation weitergegeben worden. "Deshalb blieben sie bestehen", sagte sie.

Neben der Literatur spielen auch Kunst und Kultur rund um die Buchmesse eine große Rolle. "In Frankfurt werden die Künste aus Island über ein halbes Jahr so präsent sein wie noch nie zuvor in Europa", sagte der Kurator für das Kunst- und Kulturprogramm "Sagenhaftes Island", Matthias Wagner K. So zeigt die Schirn Kunsthalle Frankfurt eine Ausstellung der zeitgenössischen Künstlerin Gabriéla Fridriksdóttir, die originale mittelalterliche Handschriften in ihre Werke einbinde.

Zahlreiche Ausstellungen

Außerdem bereitetet das Architekturmuseum Frankfurt eine Ausstellung über die Architekturgeschichte Islands vor. "Auch das ist ein Novum", sagte Wagner K. Zudem präsentiert der Frankfurter Kunstverein die erste große Einzelausstellung des isländischen Künstlers Ragnar Kjartansson in Deutschland.

(dapd)

 

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