Aktuelle Nachrichten – Kultur
17.12.2007
Berlin – Ein von Daniel Barenboim gefördertes Orchester hat ein Konzert im Gazastreifen abgesagt, nachdem einem ihrer palästinensischen Musiker die Einreise verweigert worden war. Dirigent Barenboim zeigte sich über den Vorfall am Montag in Berlin „sehr traurig“. „Ein Konzert von Barockmusik in einer katholischen Kirche in Gaza hat – wie wir alle wissen – nichts mit Sicherheit zu tun und bringt so viel Freude zu Menschen, die es sehr schwer haben, dort zu leben.“ Das Konzert sollte am letzten Sonntag stattfinden.
Barenboim appellierte an die israelische Regierung, man solle „das Humanistische und Kulturelle wirklich nicht nur erlauben, sondern fördern, in Gaza wie auch in Westbank“. Barenboim sagte, das Orchester, das mit rund 20 Musikern aus England, den USA, Frankreich und Deutschland sowie dem palästinensischen Musiker angereist war, habe alle Genehmigungen zur Einreise nach Gaza für das Barockmusikfestival gehabt. Dem 27-jährigen Palästinenser sei die Einreise aber dennoch nicht genehmigt worden, mit der Begründung, er habe keine individuelle Erlaubnis besessen.
Die Gruppe sei sieben Stunden festgehalten worden. Aus Solidarität habe sich das Orchester entschlossen, das Konzert abzusagen, sagte der 65-Jährige. Er finde es gerade mit dem Hintergrund der jüdischen Geschichte sehr traurig, dass nun die Israelis Kultur und Musik verhinderten, denn genau für diese Ziele habe das Volk gekämpft. Der Respekt vor geistigen Aktivitäten, zu denen er auch Musik zähle, gehöre dazu. Er gehe davon aus, dass ein bürokratischer Fehler zu der Einreiseverweigerung geführt habe. So etwas passiere aber häufig und mache denjenigen, die in dieser Region für die Kultur wirkten, die Arbeit unnötig schwer.
An eine Normalisierung im Verhältnis zwischen Palästinensern und Israelis glaube er nicht. Das sei nicht möglich, „wenn eine Seite besetzt und die andere Seite besetzt ist“. Barenboim kündigte an, am 12. Januar in Ramallah einen Klavierabend mit Werken von Ludwig van Beethoven geben zu wollen.
Barenboim wurde in Buenos Aires geboren und wuchs in Israel auf. Er ist nicht nur Musiker, sondern seit Jahren scharfer Kritiker der israelischen Nahost-Politik. Seit 1992 arbeitet er als Generalmusikdirektor an der Berliner Staatsoper. Barenboim, der einen israelischen Pass besitzt, gründete 1999 das WestEastern Divan Orchester mit jugendlichen Musiker aus Israel, Palästina, Libanon, Ägypten, Jordanien sowie Syrien und geht mit ihm seitdem auf Tourneen.
http://www.danielbarenboim.com/ (AP)