Aktuelle Nachrichten Welt - News und Hintergründe – Israelis schießen UN-Lebensmittellager in Brand – Ibrahim Barzak und Frieder Reimold
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Gaza Israelis schießen UN-Lebensmittellager in Brand

Ibrahim Barzak und Frieder Reimold

15.01.2009

Feuerwehr am United Nations Headquarter in Gaza Stadt . (AP Photo/Majed Hamdan)
Feuerwehr am United Nations Headquarter in Gaza Stadt . (AP Photo/Majed Hamdan)

Gaza/Tel Aviv – Das Hauptquartier des UN-Flüchtlingshilfswerks für die Palästinenser (UNWRA) ist am Donnerstag bei heftigen Kämpfen in der dichtbewohnten Innenstadt von Gaza teilweise zerstört worden. Ein Lagerhaus mit tausenden Tonnen Lebensmittelhilfe und ein Treibstofflager standen in Flammen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon protestierte empört. Der Vorfall überschattete den zweiten Anlauf von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zur Vermittlung einer Waffenruhe zwischen Israel und der palästinensischen Hamas.

Der SPD-Politiker sprach in Ramallah im Westjordanland von einer gefährlichen Eskalation. Er warnte Israel vor einem Verlust internationaler Unterstützung und forderte die unverzügliche Einstellung der Kämpfe.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert gab militanten Palästinensern die Verantwortung. Israelische Truppen seien aus dem UN-Hauptquartier heraus angegriffen worden und hätten daraufhin hart reagiert, sagte er. „Die Folgen sind sehr traurig und wir entschuldigen uns dafür.“

Das UNWRA versorgte hunderttausende Palästinenser im isolierten Gazastreifen mit Hilfsgütern. Erst am Donnerstagmorgen hatten rund 700 Menschen dort Schutz vor den Angriffen der israelischen Streitkräfte gesucht. Mindestens drei Menschen wurden beim Beschuss verwundet. Die UN hatten Israel nach eigenen Angaben schon in der Nacht darauf hingewiesen, dass das Gebäude in Gefahr sei, beschossen zu werden.

„Das ist eine Katastrophe für uns“, sagte der UNWRA-Leiter in Gaza, John Ging. Der UN-Mitarbeiter, der auf dem Gelände war, wies die Darstellung der Israelis zurück, sie seien aus dem Gebäude beschossen worden. Das sei „Unsinn“, erklärte er. Auch in der Nähe einer UN-Schule in einem anderen Stadtteil schlug eine Granate ein, hier wurden 14 Menschen verwundet. Nach Angaben palästinensischer Ärzte kamen am Donnerstag mindestens 70 Menschen ums Leben.

Apotheke eines Krankenhauses zerstört

Die israelischen Soldaten stießen mit Unterstützung von Kampfhubschraubern, Panzern und Artillerie bis in die Innenstadt von Gaza vor. Tausende verängstigte Menschen waren auf der Flucht. Auch die Hilfsorganisation CARE stellte ihre Hilfe angesichts des heftigen Bombardements „um die Vorratslager und Verteilungszentren“ herum komplett ein.

Von Granaten getroffen wurden auch mehrere hohe Häuser und das Krankenhaus Al Kuds. Dessen Apotheke geriet in Brand. In einem ebenfalls getroffenen Medienhaus wurden mehrere Journalisten verwundet. Kugeln schlugen auch in dem Haus mit den Büros der Nachrichtenagentur AP ein.

Hoffnung auf baldiges Abkommen

Angesichts der steigenden Opferzahlen und einer stetig schwieriger werdenden Lage für die Zivilbevölkerung verstärkte die internationale Gemeinschaft ihre Bemühungen um eine Waffenruhe. UN-Generalsekretär Ban wollte die palästinensische Führung im Westjordanland und die israelische Regierung zu einer Waffenruhe bewegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister Gordon Brown forderten einen schnellen Waffenstillstand.

Ägyptische Vermittler erklärten, sie stünden mit der im Gazastreifen dominierenden Hamas kurz vor einer Vereinbarung. Zu Gesprächen traf am Donnerstag auch der israelische Chefunterhändler Amos Gilad in Kairo ein. Regierungssprecher Mark Regev erklärte, es sei Bewegung in den Verhandlungen. Ein Abkommen sei in Sicht.

In den drei Wochen seit dem Beginn der israelischen Offensive am 27. Dezember wurden nach palästinensischen Angaben im Gazastreifen mehr als 1.000 Menschen getötet, darunter 300 Kinder und Jugendliche. Israel meldete 13 Tote, darunter vier durch Raketenbeschuss vom Gazastreifen aus. Diesen Beschuss zu beenden, ist eines der Hauptziele der israelischen Offensive. Es gelang bislang nicht. Am Donnerstag schlugen wieder 20 Raketen im Süden Israels ein. Dabei wurden zehn Menschen verletzt. (AP)

 

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