Umwelt – Japan will Artenschutzkonferenz mit Milliarden-Angebot vor dem Scheitern retten – Malcolm Foster /AP
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Konsequente Schutzmaßnahmen Japan will Artenschutzkonferenz mit Milliarden-Angebot vor dem Scheitern retten

Malcolm Foster /AP

27.10.2010

Ein Viertel aller Arten weltweit gilt als bedroht. Wissenschaftler warnen, dass ohne konsequente Schutzmaßnahmen ganze Ökosysteme kollabieren werden. Foto: Kyodo News/AP Photo
Ein Viertel aller Arten weltweit gilt als bedroht. Wissenschaftler warnen, dass ohne konsequente Schutzmaßnahmen ganze Ökosysteme kollabieren werden.

Foto: Kyodo News/AP Photo

Tokio – Japan hat bei der UN-Konferenz zur Artenvielfalt am Mittwoch großzügige Unterstützung für die Entwicklungsländer angeboten. Mit der Zusage von zwei Milliarden Dollar, 1,44 Milliarden Euro, durch das Gastgeberland könnte Bewegung in die bislang stockenden Gespräche in Nagoya kommen. Umweltverbände warnen vor einem Scheitern der Versammlung.

Bei den Beratungen zur biologischen Vielfalt sollen globale Ziele zur Eindämmung des Artensterbens bis zum Jahr 2020 festgelegt werden. Drei Tage vor dem Ende der Konferenz am Freitag haben die Delegationen aus 193 Staaten in wichtigen Punkten aber noch keine Einigung erzielen können. Die Kluft verläuft vor allem zwischen den Industriestaaten und Entwicklungsländern.

Ein Viertel aller Arten weltweit gilt als bedroht. Wissenschaftler warnen, dass ohne konsequente Schutzmaßnahmen ganze Ökosysteme kollabieren werden. "Besonders dramatisch wirkt sich der Lebensraumverlust etwa in Südostasien aus, wo große Waldflächen vor allem für Ölpalm-Plantagen gerodet werden", sagte Günter Mitlacher, der für den WWF Deutschland die Konferenz in Japan beobachtet.

"Wenn die Zerstörung weitergeht, wird das Wunder der Natur, das uns allen zuteilwurde, für immer verschwunden sein", sagte der japanische Ministerpräsident Naoto Kan in seiner Rede, in der er die milliardenschwere Hilfe seines Landes anbot. Die Gelder will Kan im Verlauf der kommenden drei Jahre zur Verfügung stellen.

Aus einem am Mittwoch in Nagoya vorgelegten Gutachten der Weltnaturschutzunion über die Artenvielfalt wurde deutlich, wie ernst die Lage ist – aber auch, dass bisherige Anstrengungen im Naturschutz bereits viel bewirkt haben. Der Bericht der IUCN habe gezeigt, dass es ohne weltweite Finanzhilfen noch viel schlechter um die Artenvielfalt stehen würde, sagte Mitlacher. Im Umkehrschluss seien weitere Investitionen in das Naturkapital dringend notwendig.

Wichtige Fragen noch offen

Trotz des japanischen Angebots sind Teilnehmern der Konferenz zufolge die strittigsten Fragen weiterhin offen. In Nagoya geht es auch darum, wie Profite aus genetischen Ressourcen gerecht aufgeteilt werden können – etwa aus Pflanzen, die in Entwicklungsländern wachsen und aus denen in Industriestaaten lukrative Medikamente hergestellt werden. Diskutiert wird außerdem der Vorschlag, einen größeren Teil der weltweiten Land- und Meeresfläche unter Schutz zu stellen.

Möglicherweise könne das Angebot Japans aber einen "katalytischen Effekt" haben, sagte Russ Mittermeier, Präsident der Organisation Conservation International (CI). "Der Zeitpunkt ist großartig", sagte er. Japan wolle um jeden Preis, dass die Konferenz zu einem erfolgreichen Ergebnis kommt. Andere Länder könnten diesem Beispiel folgen und ebenfalls Zusagen machen, hofft auch Sue Liebermann von der US-Nichtregierungsorganisation Pew Trust – nicht zuletzt, um ein Debakel wie bei dem Klimagipfel in Kopenhagen zu verhindern.

Japan kein Vorreiter des Artenschutzes

Liebermann wies aber auch darauf hin, dass ausgerechnet Japan hinsichtlich des Artenschutzes in den vergangen Jahren eine sehr zweifelhafte Strategie verfolgt habe. Vor allem im Bereich des Meeresschutzes seien wesentliche Ziele des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens von Japan verhindert worden. "Japan war nicht immer der beste Freund des maritimen Artenschutzes", sagte Liebermann.

Noch verhandeln die Delegationen darüber, ein wie großer Teil der Ozeane ab 2020 unter Schutz gestellt werden soll und wie dieser Schutz aussehen könnte. Bisher ist lediglich ein Prozent der weltweiten Meeresflächen als Reservat ausgewiesen oder mit besonderen Regeln zur nachhaltigen Bewirtschaftung belegt. Im Idealfall, so Liebermann, würden ab 2020 mindestens 10 oder gar 20 Prozent unter Naturschutz gestellt.

) (dapd)

 

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