Menschen & Meinungen – Jazz-Legende Joe Zawinul gestorben – Veronika Oleksyn
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Jazz-Legende Joe Zawinul gestorben

Veronika Oleksyn

11.09.2007

 (AP Photo/Ronald Zak, file)
(AP Photo/Ronald Zak, file)

Wien – Die österreichische Jazz-Legende Joe Zawinul ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Zawinul starb in der Nacht zum Dienstag in einem Wiener Krankenhaus, wie ein Kliniksprecher mitteilte. Der Keyboarder, der unter anderem zusammen mit Miles Davis auftrat und seit fast 50 Jahren in den USA lebte, wurde mit Welthits wie „Mercy, Mercy, Mercy“ und „Birdland“ zu einer internationalen Größe des Jazz. Vom renommierten Jazzmagazin „Down Beat“ wurde er 28 Mal zum besten Keyboarder gewählt.

„Sein Herz gehörte Wien, seine Seele dem Jazz. Er war eine Ausnahme als Mensch und als Musiker“, sagte der österreichische Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer der Nachrichtenagentur APA zufolge. Bis zuletzt habe Zawinul mit der ihm eigenen Begeisterung, Raffinesse und Perfektion den Menschen den Jazz näher gebracht. Wo immer er aufgetreten sei, habe er seine Zuschauer mit seinem Können beeindruckt, erklärte der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Zawinul wurde seit Anfang August im Krankenhaus behandelt, er litt APA zufolge an einer seltenen Hautkrebserkrankung.

Der Keyboarder gilt als einer der Begründer des Electric-Jazz. Er brachte das elektrische Piano und den Synthesizer in die Jazz-Musik ein. Sein Konzept „Spiele elektrisch, klinge akustisch“ wurde oftmals kopiert, aber nie erreicht. Stolz war Zawinul darauf, dass sein Welthit „Birdland“ in drei Jahrzehnten in drei Versionen (von Weather Report, Manhattan Transfer und Quincy Jones) mit je einem Grammy ausgezeichnet wurde.

Der am 7. Juli 1932 in Wien geborene Musiker lebte in Wien-Erdberg, New York und Malibu. 1959 war er wegen eines Klavierstipendiums in die USA gegangen. Mit Hits wie „The Country Preacher“ machte er sich dort schnell einen Namen innerhalb der Jazzszene. Bald wurde er bei Dinah Washington und in Cannonball Adderleys Band zum gefragten Musiker.

An Selbstbewusstsein hat es Zawinul nach eigenen Bekunden auch angesichts bedeutender Mitmusiker nie gemangelt – er schlug sogar ein Mal ein Angebot des ewigen Superstars des Jazz, Miles Davis, aus, wie APA berichtete. „Nein. Es ist nicht die Zeit dafür“, beschied er Davis, als dieser ihn im legendären New Yorker Jazzclub „Birdland“ fragte, ob sie nicht zusammen spielen wollten. Wenige Jahre später schien die Zeit doch gekommen, und Zawinul revolutionierte zusammen mit Davis den Jazz.

Auf dem wegweisenden, nach einer Zawinul-Komposition betitelten Album „In A Silent Way“ und auf „Bitches Brew“ warfen Davis und Zawinul mit einer Riege von Jazzstars die alten Hörgewohnheiten über den Haufen – der Electric Jazz war geboren. 1970 gründete Zawinul die Band Weather Report und machte sie zu einer der bedeutendsten Jazz-Rock-Formationen.

Nachdem Weather Report zerfallen war, gründete er 1987 das „Zawinul Syndicate“, eine Formation mit wechselnden, weltbekannten Musikern. Im Frühling tourte er zum 20-jährigen Jubiläum der Gruppe quer durch Europa. Zuletzt engagierte er sich neben Projekten für den Jazz-Nachwuchs auch für Kinder aus New Orleans, die durch die durch die Zerstörung des Hurrikans „Katrina“ in ihrer Existenz bedroht waren.

Bis vor kurzem hatte der Musiker noch gehofft, für zwei Konzerte in Mailand und Wien im September zumindest im Rollstuhl das Krankenhaus verlassen zu können. Eine rapide Verschlechterung seines Gesundheitszustandes verhinderte dies jedoch. (AP)

 

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