Aktuelle Nachrichten – Pflege
30.11.2010
Berlin – Fast jede zweite Frau und jeder dritte Mann müssen damit rechnen, im Alter verwirrt und hilfsbedürftig zu werden. Dies geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Pflegereport der Krankenkasse Barmer GEK hervor. Dafür haben Wissenschaftler die Daten von 2009 verstorbenen Versicherten über 60 Jahre analysiert: 29 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen waren zum Zeitpunkt ihres Todes dement.
Hintergrund ist eine immer längere Lebenserwartung. Je höher das Alter, desto größer die Wahrscheinlichkeit, gebrechlich, vergesslich und verwirrt zu werden. Deshalb steigt nach Darstellung der Krankenkasse auch die Zahl der Menschen, die vor ihrem Tod Pflege brauchten: 2009 waren es 47 Prozent der Männer und 67 Prozent der Frauen. 2001 hatten die Quoten erst bei 40 und 60 Prozent gelegen. Insgesamt braucht mehr als jeder Zweite vor dem Tod Pflegeleistungen, wie es weiter hieß.
Die Auswirkungen beider Trends auf die Pflegeversicherung sind gewaltig. "Mit der Entwicklung dementieller Erkrankungen stoßen wir in eine neue Pflegedimension vor", erklärte Barmer-GEK-Vorstand Rolf Ulrich Schlenker. "Es bedarf einer tragfähigen Lösung für die Pflege von morgen." Er appellierte an die schwarz-gelbe Koalition, die Neuausrichtung der Pflege zu forcieren.
Priorität sei dabei, den Umfang der Leistungen neu zu bestimmen. "Erst dann kann entschieden werden, ob wir überhaupt eine neue Finanzierungssäule in der Pflegeversicherung brauchen", erklärte Schlenker.
Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat bereits für kommendes Jahr eine Pflegereform angekündigt. Union und FDP setzen dabei auf eine private Zusatzversicherung, die Kapital anspart, ähnlich der Riester-Versicherung bei der Rente.
(dapd)
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