Foto: © 2012 AP. Photographer: Lefteris Pitarakis/AP/dapd
London – Mit ihrem ersten Erwachsenenroman hat "Harry Potter"-Autorin Joanne K. Rowling die Kritiker zwar nicht begeistern können, aber sie enttäuschte auch nicht. Bei der Präsentation von "Ein plötzlicher Todesfall" am Donnerstagabend in London gab Rowling auch Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Romans. Die Idee sei ihr vor etlichen Jahren im Flugzeug gekommen, sagte sie vor etwa 1.000 Zuhörern im Londoner Southbank Centre. Für eine etwas ältere Leserschaft zu schreiben sei befreiend gewesen.
Ihr neues Werk handelt von den Ereignissen nach dem überraschenden Tod eines Gemeinderatsmitglieds in der fiktiven englischen Kleinstadt Pagford. Es ist zwar Rowlings erster Roman seit der Veröffentlichung des letzten Buches der "Harry Potter"-Reihe vor fünf Jahren. Gleichzeitig wusste die Autorin eine Parallele zum scheinbaren Idyll von Pagford und der magischen Welt von Hogwarts - dem Hauptschauplatz der "Harry Potter"-Reihe - zu ziehen. Der Fokus auf Teenager in ihrem neuen Buch sei nicht Millionen Meilen von ihrem vorangegangenen Werk entfernt, auch wenn die rastlosen und fluchenden Jugendlichen in "Ein plötzlicher Todesfall" nicht "Harry, Ron und Hermine" seien, erklärte Rowling.
Stichwort Fluchen: Die zahlreichen Anzüglichkeiten und Schimpfworte im neuen Roman der Autorin waren bei den Kommentaren das Thema Nummer 1. Und auch während der Lesung vom Donnerstagabend schreckte so mancher Zuhörer auf, als ein ums andere Mal das "F-Wort" über Rowlings Lippen kam.
Deutsche Übersetzung startet mit Auflage von 500.000 Exemplaren
Die deutsche Übersetzung "Ein plötzlicher Todesfall" kam in einer Startauflage von 500.000 Exemplaren auf den Markt. Der Carlsen Verlag erwartet, dass womöglich das Doppelte verkauft wird. Allerdings startete das erste Erwachsenenbuch der "Harry Potter"-Autorin ohne großen Ansturm ihrer Leser in den Handel. Vor britischen Buchläden standen zwar einige - inzwischen erwachsene - Fans des Zauberlehrlings über Nacht an, um "Ein plötzlicher Todesfall" in die Hände zu bekommen. Doch der Andrang war dort und auch in deutschen Buchhandlungen weit geringer als bei den "Harry Potter"-Büchern. Dennoch rechnet der Handel mit Rekordverkäufen.
In den Amazon-Charts in den USA liegt "Ein plötzlicher Todesfall" bereits auf Platz Eins. Das britische Wettbüro William Hill setzte eine Quote von 2:1 darauf fest, dass am ersten Tag mehr Exemplare des neuen Buchs verkauft werden als vom letzten "Harry Potter"-Roman. Allein in Großbritannien verkaufte sich "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" am ersten Verkaufstag 2,6 Millionen mal. In Deutschland schaffte es das Buch in den Amazon-Charts zunächst nur auf Platz vier (Stand Freitagmittag).
Rowling lässt sich von Kritik nicht beeindrucken
Die ersten Rezensionen des Buches fielen durchaus unterschiedlich aus. "Kein Meisterwerk, aber gar nicht schlecht", urteilte der britische "Guardian". Die "New York Times" vermisst die Magie und empfindet die Charaktere Rowlings als wenig fesselnd. "Die reale Welt, die sie in diesen Zeilen beschreibt, ist so gewollt banal, so deprimierend klischeehaft, dass 'Ein plötzlicher Todesfall' nicht nur enttäuschend ist - es ist langweilig", schrieb die Rezensentin der "New York Times", Michiko Kakutani.
Rowling ficht die Kritik offenbar nicht an. Um die Reaktionen mache sie sich keine Sorgen, sagte sie während der Londoner Lesung. "Meine Bücher wurden schon verbrannt", sagte sie mit Blick auf einige christliche Gruppen, die ihre Geschichten als satanisch verurteilt haben. "Ich habe noch einen langen Weg vor mir, um Leute mit 'Ein plötzlicher Todesfall' dermaßen zu verärgern."
Doch trotz aller negativer Äußerungen der Rezensenten sind die Buchhändler optimistisch, dass "Ein plötzlicher Todesfall" zu einem der erfolgreichsten Bücher des Jahres wird. Ihren Erfolg mit den "Harry Potter"-Büchern dürfe man dabei aber nicht als Maßstab nehmen, warnten einige von ihnen am ersten Verkaufstag. Die Bücher über den Zauberlehrling wurden weltweit mehr als 450 Millionen Mal verkauft.
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