Menschen & Meinungen – Jörg Zink wird 85 Jahre alt – Stephan Köhnlein
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Jörg Zink wird 85 Jahre alt

Stephan Köhnlein

21.11.2007

Frankfurt/Main – Er hat mehr als 100 Mal das „Wort zum Sonntag“ gesprochen, seine rund 200 Bücher erzielten eine Auflage von 17 Millionen und bei Kirchentagen strömen noch immer tausende Besucher – darunter viele junge Menschen – in seine Veranstaltungen: Jörg Zink ist der wohl bekannteste und erfolgreichste evangelische Publizist und Theologe in Deutschland. Am Donnerstag wird er 85 Jahre alt.

Zink wurde am 22. November 1922 in der Nähe von Fulda geboren. Seine Eltern hatten mit fünf anderen Familien einen sogenannten Bruderhof gegründet – mit gemeinsamem Eigentum auf urchristlicher Basis. Doch die Eltern starben früh, mit vier Jahren war Zink Vollwaise, wuchs bei einer Lehrerin auf. In seiner Jugend wollte Zink lieber Architekt oder Bildhauer werden, nach dem Abitur träumte er von einer Dichterkarriere und schleppte Gedichtbände mit an die Front.

Seine Entscheidung, Pfarrer zu werden, hängt mit seinen Kriegserlebnissen zusammen: Am 11. April 1944 wurde sein Flugzeug über der Loire-Mündung abgeschossen, Zink wurde gerettet. Von seinem Geschwader, das 300 Menschen umfasste, überlebten den Krieg nur fünf oder sechs. Nach dem Krieg habe er sich gefragt, was er mit seinem merkwürdig geretteten Leben anstelle. „Ich muss was tun, was den anderen, denen die übrig sind, hilft. Und dadurch bin ich Pfarrer geworden“, sagte er gerade in einem Interview bei Deutschlandradio Kultur.

Nach der Kriegsgefangenschaft studierte Zink Philosophie und Theologie an der Universität Tübingen. Von 1952 bis 1955 arbeitete er am dortigen Evangelischen Stift und promovierte schließlich bei Helmut Thielicke in Hamburg zum Thema „Der Kompromiss als ethisches Problem“.

Einem großen Publikum wurde Zink als Fernsehpfarrer bekannt. Fast 20 Jahre war er Fernsehbeauftragter der Württembergischen Landeskirche im Süddeutschen Rundfunk, sprach über 100 Mal das „Wort zum Sonntag“ in der ARD und drehte rund 40 Fernsehfilme.

„Fast alles von Kindern gelernt“

Die fast 200 von ihm verfassten Sachbücher erzielten eine Auflage von 17 Millionen Exemplaren. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Übertragung des Alten und des Neuen Testaments in eine verständliche Sprache sowie Titel wie „Womit wir leben können“ und „Die Welt hat Zukunft“. Zudem schuf er mehrere Liedertexte für das Evangelische Gesangbuch.

Für Aufsehen sorgte Zink, als er Ende 1979 den Grünen beitrat. In einer öffentlichen Stellungnahme betonte er, ein kritischer Gesprächspartner der Partei zu sein, nicht aber für sie in die Politik zu gehen. Zink engagierte sich auch in der Friedensbewegung und griff beim Evangelischen Kirchentag 1983 die Idee von Dietrich Bonhoeffer aus dem Jahre 1934 wieder auf, ein weltweites Friedenskonzil zu initiieren.

Ein Publikumsmagnet war und ist Zink bis heute auf Kirchentagen – vor allem bei der Jugend. „Ich hatte bei meiner Jugendarbeit bis heute das Gefühl, dass ich da am besten am Platz war“, sagte er im Deutschlandradio Kultur. „Was ich gelernt habe, habe ich fast alles von Kindern gelernt, zum Beispiel wie man spricht.“

Seit 1950 ist Zink verheiratet, mit seiner Frau Heide hat er einen Sohn und drei Töchter, Enkelkinder gibt es auch. Zu seinen Hobbys zählen das Schreinern und das Fotografieren. Wenn es die Zeit zulässt, fährt er gerne in sein Ferienhaus am Ufer der Biskaya. (AP)

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