Foto: Gitti/Pixelio
Wer Johanniskraut zur Stimmungsaufhellung nimmt, sollte dies unbedingt seinem behandelnden Arzt mitteilen. Denn Johanniskraut reduziert teilweise erheblich die Wirkung einiger anderer Medikamente. Das frei verkäufliche pflanzliche Arzneimittel zur Stimmungsaufhellung regt in der Leber ein Entgiftungssystem an, das andere Wirkstoffe beeinflussen kann, wie der Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Universitätsklinik Hamburg Eppendorf, Thomas Eschenhagen vor einiger Zeit im „Diabetiker-Ratgeber“ berichtete.
Wechselwirkungen und Wirkstoffhemmung abklären
Gut bekannt ist dies bei bestimmten Cholesterinsenkern, bei einigen blutgerinnungshemmenden Medikamenten (ASS u.a.) sowie bei der Anti-Baby-Pille. Auch wer Medikamente für das Herz oder koronare Erkrankungen einnimmt, sollte den Arzt fragen, ob möglicherweise das Johanniskraut die als Medikamente eingesetzten Giftstoffe über die Leber entgiftet. Mit Sicherheit bestehen Wechselwirkungen mit bestimmten AIDS-Medikamenten (Protease-Hemmern), Antibiotika wie Clarithromycin (z. B. Klacid®) und mit anderen – potenteren – Antidepressiva. Die Protease-Hemmer und das Antibiotikum können ihre Wirkung ganz oder teilweise verlieren, was bei den zugrunde liegenden ernsten Erkrankungen katastrophale Folgen haben kann. Auch mit Antiepileptika (Medikamenten gegen Krampfanfälle) könnten Wechselwirkungen im Sinne einer Wirkungsabschwächung der Antiepileptika durch Abbaubeschleunigung bestehen (z. B.Valproinsäure). Daher muss unbedingt der Arzt über die Johanniskraut-Einnahme informiert werden, wenn gleichzeitig eine andere Erkrankung medikamentös behandelt wird.
Gut verträgliches, und nicht die Abhängigkeit förderndes natürliches Antidepressivum
Populär wurde das bekannte Kraut in den letzten Jahren wieder als gut verträgliches, und nicht die Abhängigkeit förderndes Mittel bei leichten bis mittleren Depressionen. Das wurde in vielen gesicherten Studien bestätigt. Allerdings wirkt dieses Naturmittel nicht direkt sondern mit einer gewissen Latenzzeit von mehreren Tagen bis zu mehreren Wochen, die unserer Wohlfühlen-auf-Knopfdruck-Mentalität entgegensteht. Die Wirkung der Johanniskraut-Präparate soll auf die chemisch definierten Substanzen Hyperforin und Hypericin zurückzuführen sein. Diese bewirken eine geringe bis mittelstarke, aber nachweisbare, cerebrale Wiederaufnahmehemmung von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin; dies sind bekannte Wirkmechanismen chemischer Antidepressiva.
Dosierung muss stimmen
Wesentlich mag hier auch die Dosis des Johanniskrautextrakts sein: Einige Studien gehen von mindestens 900 mg Extrakt bis hin zu 1800 mg Johanniskrautextrakt aus. Mit Johanniskrauttee sind solche Dosierungen praktisch gar nicht zu erreichen, aber auch nicht mit freiverkäuflichen Medikamenten aus dem Supermarkt. Typische Präparate enthalten hier etwa 180 mg pro Dragee, man müsste also zehn Dragees nehmen, um eine wirksame Dosis von 1800 mg zu erreichen. Andere Präparate erwecken den Eindruck, sie würden besonders viel Johanniskraut enthalten, indem z. B. von „300 mg Johanniskraut“ auf der Packung die Rede ist – es handelt sich hier aber um gemahlenes Johanniskraut, dessen Wirkstoffmenge gegenüber dem Johanniskrautextrakt nur etwa ein Fünftel beträgt. Diese Aussagen beziehen sich auf die in Studien eingesetzten Wirkstoffmengen und die erwarteten und beschriebenen Wirkungen. Das heißt nicht, dass die seit Jahrtausenden bewährten Wirkungen von Tee nicht vorhanden seien, sie wurden nur eben nicht untersucht! Nebenwirkungs- und wechselwirkungsfrei ist Johanniskraut allerdings in keiner Darreichungsform!
Altbewährt in der Volksheilkunde
Unter dem Begriff „Rotöl“ hat es sich in der Volksheilkunde auch als effektives Wundheilmittel und zum Hautschutz seit Jahrzehnten sowohl in Krankenhäusern als auch in der Säuglings- und Altenpflege bewährt. Für die keimtötenden Eigenschaften nennt die Wissenschaft das Hyperforin als Wirkstoff. Als Einreibemittel bei Hexenschuss, Gicht, Rheuma, zur Schmerzlinderung und Wundheilung nach Verrenkungen und Verstauchungen, bei Blutergüssen und Gürtelrose verwendet, kann aber auch innerlich angewandt werden. Man gewinnt es indem man Johanniskrautblüten 2 Monate lang in kaltgepresstes Oliven- oder Sonnenblumenöl einlegt und in der Sonne stehenlässt. Als Tee und Tinktur wird Johanniskraut auch bei Menstruationsbeschwerden und pubertätsbedingten Verstimmungen verwendet.
Vorsicht bei bekannter Lichtempfindlichkeit
Bei bekannter Lichtempfindlichkeit ist Johanniskraut zu meiden, da Hypericin die Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht erhöht (Photosensibilisierung). Ebenso, besonders bei hellhäutigen Personen oder hoher Dosierung, kann man auf starke Sonnenbestrahlung oder Solarien verzichten, da Johanniskraut die Aufnahme- und Umwandlungsfähigkeit von Sonnenlicht über die Haut erhöhen kann. Vielleicht ist dies mit einer der Wirkmechanismen – als eine Art „Restlichtverstärker“ – vor allem in Zeiten innerer und äußerer Dunkelheit?
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