Aktuelle Nachrichten – TOP-STORY
07.10.2006
Moskau - Die prominente russische Kolumnistin und Tschetschenien-Expertin Anna Politkowskaja ist am Samstag in Moskau getötet worden. Ihre Leiche wurde in einem Aufzug in einem Wohngebäude entdeckt, erklärte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AP. Die Staatsanwaltschaft nahm nach Angaben einer Sprecherin Ermittlungen wegen Mordes auf. Politkowskaja berichtete kritisch über den von Moskau geführten Krieg in der abtrünnigen Kaukasusrepublik Tschetschenien.
In dem Aufzug wurden eine Pistole und vier Kugeln gefunden, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Polizeikreise berichtete. Der Chefredakteur der Zeitung «Nowaja Gaseta», bei der Politkowskaja arbeitete, sagte, das Verbrechen sei am Nachmittag in dem Gebäude verübt worden, in dem die Journalistin wohnte.
Politkowskaja zählte zu den prominentesten russischen Journalisten. Sie berichtete seit 1999 über den Konflikt in Tschetschenien. Unter anderem schrieb sie ein Buch über Präsident Wladimir Putin und dessen Vorgehen in der Kaukasusrepublik. Dabei dokumentierte sie zahlreiche Fälle von Misshandlung der Zivilbevölkerung durch Regierungssoldaten.
Im Oktober 2002 war sie eine von wenigen Personen, die während der Geiselnahme in einem Moskauer Theater das Gebäude betrat und versuchte, mit den tschetschenischen Extremisten zu verhandeln.
Nach einem Flug von Moskau nach Südrussland während der Geiselnahme in einer Schule in Beslan 2004 erkrankte sie schwer an Vergiftungssymptomen. An Bord hatte sie Tee getrunken. Kollegen vermuteten damals, dass sie umgebracht werden sollte.
Im Januar 2005 wurde sie in Schweden gemeinsam mit zwei weiteren russischen Menschenrechtsaktivisten für ihren Einsatz zur Förderung der Demokratie in Tschetschenien mit dem Olof-Palme-Preis ausgezeichnet.
«Wann immer die Frage aufkam, ob es in Russland ehrlichen Journalismus gibt, wurde fast jedes Mal zuerst der Name Politkowskaja genannt», sagte Oleg Panfilow, Direktor des Zentrums für Journalismus in Extremsituationen mit Sitz in Moskau. Politkowskaja habe häufig Drohungen erhalten. Vor einigen Monaten hätten unbekannte Angreifer erfolglos versucht, in ein Auto einzudringen, in dem ihre Tochter Vera am Steuer saß. 2001 flüchtete Politkowskaja für mehrere Monate nach Wien, weil sie per E-Mail Drohungen erhalten hatte, wonach ein russischer Polizist sich an ihr rächen wolle. Sie hatte ihn beschuldigt, Gräueltaten gegen Zivilpersonen begangen zu haben. Der Polizist wurde 2002 festgenommen, ein Jahr darauf wurde der Fall eingestellt.
(AP)
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Schlagworte
Russian Media Defends Freedom of Speech
(15.11.2010)
Russischer Journalist stirbt nach Misshandlung durch Polizei
(20.01.2010)
Der Tod ist bei der Redaktionskonferenz dabei
(01.02.2009)
Öffentlicher Prozess um Ermordung von Politkowskaja
(17.11.2008)
Zehn Festnahmen im Mordfall Politkowskaja
(27.08.2007)
Regierung verlangt Aufklärung des Mordes an Moskauer Journalistin
(09.10.2006)
Europarat bestürzt über Mord an russischer Journalistin
(07.10.2006)