Aktuelle Nachrichten – Gesellschaft
02.01.2009
Frankfurt/Main – Junge Männer bleiben immer länger im „Hotel Mama“. „Noch nie gab es so viele Jugendliche, die so lange in ihrem Elternhaus verweilten“, sagte Klaus Hurrelmann, Jugendforscher der Universität Bielefeld. Sie scheuten die Selbstständigkeit, hätten Angst davor, selbst eine Familie zu gründen und die Verantwortung für eigene Kinder zu übernehmen. Um dem entgegenzuwirken, schlug Hurrelmann vor, in der Schule ein Fach wie Familien- oder Lebenskunde einzuführen.
Nur 28 Prozent der 12- bis 25-Jährigen sind bereits zu Hause ausgezogen, wie die Shell-Jugendstudie 2006 ergeben hat. Bei den Frauen waren es immerhin 33, bei den Männern nur 24 Prozent. „Junge Frauen haben eine viel flexiblere Lebensführung“, sagte Hurrelmann. Sie strebten einen Beruf und eine Familie an. Um dies zu verwirklichen, fehlten ihnen aber oft die jungen Männer.
Denn diese klammerten sich stärker als die Frauen an die Herkunftsfamilie, glaubten, sie seien noch nicht so weit, wollten sich erst einmal aus dem Schutzraum ihres Elternhauses heraus eine eigene Lebenswelt erschließen. Sie hätten Angst vor der Gründung einer eigenen Familie, warteten quasi darauf, dass ihnen die traditionelle Männerrolle entgegenkomme.
Aber „man kann den richtigen Zeitpunkt verpassen“, sagte Hurrelmann. So hängt seiner Ansicht nach auch die relativ geringe Anzahl von Kindern in Deutschland damit zusammen, dass sich viele junge Leute so spät verselbstständigen.
Für die Eltern sei es gewissermaßen ein Kompliment, dass sie auch für ihre erwachsenen Kinder noch ein Vorbild seien, erklärte der Wissenschaftler. Für diese aber sei es riskant: Sie setzten keine eigenen Akzente in ihrem Lebensstil, es fehle an Innovation.
Als Lösung plädiert der Jugendforscher für eine spezielle Männerförderung, damit junge Männer ihre enge Vorstellung hinterfragten, was ein Mann sei. Sie müssten aus dem Elternhaus herausgelockt werden, man müsse ihnen klarmachen, wie schön Selbstständigkeit sein könne. Auch müssten sie lernen zu begreifen, was für eine Freude es sei, mit Kindern umzugehen.
Nach Möglichkeit müsse damit bereits in der Schule begonnen werden, regte Hurrelmann an. „Ich halte es für ein Defizit, dass wir so etwas nicht haben.“ (AP)
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