Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
10.03.2010
Berlin (apn) Das Bundeskabinett hat den Chemieprofessor Utz-Hellmuth Felcht zum neuen Aufsichtsrats-Chef der Deutschen Bahn AG bestellt. Zugleich wurden nach Angaben von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am Mittwoch fünf weitere der zehn Arbeitgeber-Aufsichtsräte des Konzerns neu benannt. Ramsauer sprach vom „letzten Schritt einer Fülle von Neubesetzungen“, hin zu einer Neuausrichtung der Bahnpolitik. Felcht und er stellten die „Wiedergewinnung der Kernkompetenz“ der Bahn in den Vordergrund der künftigen Arbeit.
Ramsauer sagte, viele der Träume der Bahnmanager und verantwortlichen Politiker hätten „sich als Schäume erwiesen“, und bezog das besonders auf einen unmittelbar bevorstehenden Börsengang. Gleichwohl charakterisierte er Felcht, den er seit 1998 aus seinem oberbayerischen Wahlkreis kennt, als Mischung aus Josef Ackermann und Franz Beckenbauer. Er sei ein erfahrener, „geradliniger“ Manager, der „das Unternehmensgeschehen aus jeder Perspektive kennt“ und auch „schwierigsten Entscheidungen nie aus dem Weg gegangen“ sei. Außerdem sei der jetzige Managing Director des Finanzinvestors OEP ein exzellenter Kenner des Börsengeschehens, was im Hinblick auf das nach wie vor bestehende „langfristige Ziel des Börsenganges gewünscht“ sei.
Der Minister erklärte zugleich, er werde sich künftig „unmittelbar um die Bahn kümmern“ und als erster Verkehrsminister überhaupt die diesjährige Hauptversammlung „in meiner Person bestreiten“. Als einziger Eigentümer hatte der Bund in der Regel die Hauptversammlung in Form eines Beauftragten aus der Beteiligungs-Abteilung des Finanzministeriums wahrgenommen.
Die „Neuausrichtung“ der Bahn umriss Ramsauer grob, indem er darauf hinwies, dass es angesichts der begrenzten Kapazität einer netzgebundenen Industrie nicht darum gehen könne, „einen pluralistischen Wettbewerb zu entfalten“. Felcht sagte, die Bahn müsse ihren Marktwert wiederherstellen und dabei besonders Kunderorientiertheit, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Qualität in den Vordergrund stellen. Dem widerspreche nicht das weltweite Engagement im Transport- und Logistikbereich.
Der 63-jährige Felcht folgt auf den ehemaligen Wirtschaftsminister und RAG-Chef Werner Müller, der das Amt seit Mitte 2005 innehatte. Der neue Aufsichtsrat wird am 24. März erstmals amtieren und das Jahresergebnis des Konzerns zur Kenntnis nehmen.
Der Chemieprofessor Felcht begann als Chemiker bei der Hoechst AG, wo er 1992 Vorstand wurde. Von dort wechselte er zur SKW Trostberg, einem Chemieunternehmen mit Sitz im oberbayerischen Trostberg, das inzwischen Teil der Evonik Degussa ist. Müller, der unter Kanzler Gerhard Schröder Wirtschaftsminister war, scheidet Ende des Monats aus. Er wurde, abgesehen von seinen politischen Präferenzen, zu eng mit der Amtszeit von Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn in Verbindung gebracht. (AP)
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