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Geburtsrisiko Kaiserschnitt erhöht Risiko für Atemprobleme des Kindes

DAPD

31.01.2008

Das Wunder des Lebens - natürliche Geburt immer noch beste Voraussetzung für den Start.   (kibo/Pixelio.de)
Das Wunder des Lebens - natürliche Geburt immer noch beste Voraussetzung für den Start. (kibo/Pixelio)

Frankfurt/Main – Ein Kaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit erhöht das Risiko für Atemfunktionsstörungen des Kindes. Darauf weist Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) unter Berufung auf eine dänische Studie hin. „Das Risiko für respiratorische Störungen ist auch dann noch deutlich erhöht, wenn der Kaiserschnitt zeitlich nah am errechneten Geburtstermin vorgenommen wird“, erklärt der Professor, der die Lungenklinik Kloster Grafschaft im sauerländischen Schmallenberg leitet.

Als Grund vermutet der Experte das Fehlen des sogenannten Katecholamin-Stoßes beim Kaiserschnitt. Die Stresshormone Katecholamine werden laut Köhler bei einer normalen vaginalen Geburt von der Mutter aufgrund der Wehen und Schmerzen ausgeschüttet. Offensichtlich seien sie auch für die Entfaltung der Lungen des Neugeborenen wichtig. So sorgten Katecholamine dafür, dass weniger Flüssigkeit in die Lungen des Kindes abgesondert und gleichzeitig die Bildung eines wichtigen Stoffes angekurbelt werde, der die Lungenbläschen weite und dem Säugling die ersten Atemzüge erleichtere.

Dieser Stoff mit dem Namen Surfactant, der aus einem Gemisch von Eiweißen und Fetten besteht, wird nach Angaben des Mediziners von den Lungenbläschen gebildet. Er wirke wie ein Schutzfilm für diese Alveolen und verringere deren Oberflächenspannung. Wenn bei der Ausatmung die Bläschen kleiner werden, verdickt sich laut Köhler der Surfactant-Film an ihrer Oberfläche und verhindert so, dass die Alveolen in sich zusammenfallen. Erweiterten sich die Lungenbläschen bei der Einatmung, werde der Schleimfilm zwar dünner, aber die Tendenz zu kollabieren sei dann ebenfalls vermindert, erklärt der Facharzt.

Immer mehr „Entbindungen per sectio“

Immer häufiger werden „Entbindungen per sectio“, wie Kaiserschnitte in der Fachsprache heißen, ohne medizinische Notwendigkeit und auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter durchgeführt. „Viele Schwangere scheuen offenbar die Schmerzen und Anstrengungen einer vaginalen Geburt; manche meinen sogar, dass sich die Geburt per Kaiserschnitt auch für das Kind stressfreier gestalte“, berichtet Köhler. Dem sei allerdings keineswegs so: „Vielmehr müssen die Kinder nach einem Kaiserschnitt auf Wunsch sehr viel stärker um ihren Atem ringen als nach einer vaginalen Geburt.“

So traten in der dänischen Studie schwere Komplikationen, die eine Sauerstofftherapie oder Beatmung erforderlich machen, nach einem Kaiserschnitt rund fünf Mal häufiger auf. Bei jedem zehnten Kind, das in der 37. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt wurde, kam es zu Problemen wie einer vorübergehend gesteigerten Atemfrequenz oder aber einem dauerhaften Lungenhochdruck. Bei Kindern, die ebenso früh, aber vaginal entbunden wurden, wurden derartige Störungen hingegen etwa vier Mal seltener beobachtet. „Angesichts dieser Zahlen kann man den Kaiserschnitt auf Wunsch der Mutter also wirklich nicht als die komplikationslosere oder schonendere Methode ansehen – geschweige denn empfehlen, solange dazu keine medizinische Notwendigkeit besteht“, sagt Köhler.

http://www.lungenaerzte-im-netz.de (AP)

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