Aktuelle Nachrichten – Unterhaltung
11.02.2012
Foto: Darren Michaels/Universal Pictures/dapd
Foto: Darren Michaels/Universal Pictures/dapd
Berlin – In Barrow, der nördlichsten Stadt der USA, herrscht eisiges Klima. Obwohl die Ureinwohner nett sind, will Lokalreporter Adam lieber zurück in wärmere Gefilde. Dorthin wollen auch drei Grauwale, doch auf ihrer Wanderroute gen Süden werden sie vom Eis eingeschlossen. Adam dreht einen kurzen TV-Bericht über die Walfamilie, die verzweifelt durch ein ins Eis geschlagenes Loch nach Luft schnappt. Damit beginnt im Familienfilm "Der Ruf der Wale" eine unerhörte Rettungsaktion, die sich 1988 tatsächlich so ähnlich abgespielt hat.
"Alle lieben Wale" wissen die Moderatoren eines landesweiten TV-Senders und füllen die letzten 90 Sekunden der Abendnachrichten mit Adams rührendem Bericht vom Ende der Welt. Gebannt verfolgen Millionen Zuschauer den Überlebenskampf der Tiere im eisigen Alaska. Das Schicksal von Fred, Wilma und Baby Bamm-Bamm, wie die Meeressäuger genannt werden, löst eine Lawine der Anteilnahme aus.
Mit Greenpeace-Aktivistin Rachel setzt sich ein Treck von Reportern und Helfern in Bewegung. Auch Rachels Intimfeind, ein Öl-Tycoon, sowie Präsident Ronald Reagan, erkennen die Gunst der Stunde – und auch andere Kalte Krieger tauen auf.
Zunächst wollen die Mächtigen mit der PR-Hilfsaktion nur ihr Öko-Image aufpolieren. Doch die Situation wird immer dramatischer: Ein Luftkissenboot, das von der Nationalgarde in einer halsbrecherischen Aktion per Helikopter nach Barrow gezogen werden soll, bleibt stecken. Das Eisloch friert zu, und an der sechs Kilometer breiten Eisdecke, hinter der die Walfamilie ins offene Meer schwimmen könnte, dockt ein Eisberg an. Nicht weit davon entfernt befindet sich jedoch ein sowjetrussischer Eisbrecher, dessen Besatzung Wetten abschließt, ob die Amis um Hilfe bitten werden…
So entwickelt die Rettung eine Eigendynamik mit starker Symbolkraft. Leichtfüßig setzt Regisseur Ken Kwapis die zahlreichen Protagonisten zueinander in Beziehung. Im Zentrum stehen John Krasinski als sympathischer Reporter Adam, der Karriere machen will, sein kleiner Kumpel, der Inuit-Junge Nathan (Ahmaogak Sweeney), der sich zur Betrübnis seines Onkels anfangs mehr für Popmusik als für den Gesang der Wale interessiert, und Adams Ex-Freundin Rachel. Drew Barrymore ist als Naturschutz-Nervensäge, der, schon damit sie endlich die Klappe hält, jeder scheinbar noch so irre Wunsch erfüllt wird, ganz großartig.
Dabei werden exemplarische Konflikte deutlich: Die daueraufgeregte Tierschützerin zankt sich nicht nur mit Manager McGraw, der mit Ölbohrungen die Umwelt gefährdet, sondern auch mit den Ureinwohnern. Die Eskimos, die vom Walfang leben, würden die Riesen lieber schlachten als ins Meer lotsen. Andererseits bewirkt der Medienrummel einen lokalen Aufschwung. Auch zwei Enteisungsmaschinen-Tüftler aus Minnesota wittern ein Geschäft. Der kernige Colonel schließlich, der den Hubschrauber fliegen muss, hält die Aktion für spleenig, bis er telefonisch vom Präsidenten und vor allem von dessen cooler Assistentin Dampf gemacht bekommt.
Bei der Überwindung der Gegensätze entwickelt sich ein geradezu altmodisch mitreißender Sportsgeist – und aus der anfangs aussichtslosen Lage eine Win-win-Situation für (fast) alle Beteiligten. Kwapis schildert diese wahre Story in einer trotz aller Tragik und Dringlichkeit entspannten und unsentimentalen Tonart. Jene Szenen, in denen die Helfer eine Spur von Atemlöchern ins Eis sägen, damit die Wale auf ihrem Weg zur Küste Luft holen können, sind in ihrer Wirkung schwer zu toppen: Wer sich hier nicht Luft schnappend mit den Tieren identifiziert, dem ist nicht zu helfen. Das Leben, so zeigt dieser hübsche Familienfilm, schreibt die besten Geschichten.
"Der Ruf der Wale", USA 2012, 107 Minuten, FSK: keine Altersbeschränkung, Regie: Ken Kwapis, Darsteller: Drew Barrymore, John Krasinski, Kristen Bell, Dermot Mulroney u.a. Kino-Start: 16. Februar
(dapd)
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