Mallipo/Südkorea – Die schwerste Ölpest in der Geschichte Südkoreas hat einen der schönsten und beliebtesten Strände des ostasiatischen Landes schwarz gefärbt. Tausende Menschen versuchten am Wochenende, das nach dem Tankerunglück auf rund 17 Kilometern Länge angespülte Öl mit Schaufeln und Eimern abzuschöpfen. Viele der freiwilligen Helfer kämpften dabei auch mit Brechreiz und Kopfschmerzen, die von den Öldämpfen verursacht wurden.
Rund 7.500 Menschen, darunter Angehörige der Küstenwacht, Polizisten und Soldaten, waren am Strand von Mallipo an der südkoreanischen Westküste im Einsatz. Auf dem Meer versuchten 105 Schiffe, das Wasser vom Öl zu säubern, das seit Freitag aus dem Supertanker „Hebei Spirit“ austrat, nachdem dieser von einem Schleppkahn gerammt worden war. „Wir machen Fortschritte bei der Säuberungsaktion“, sagte Küstenwachtsprecher Kim Woon Tae. Den Bergungsmannschaften gelang es am Sonntag, das letzte der drei Löcher im Rumpf des Tankers abzudichten.
Insgesamt liefen rund 66.000 Barrel (10,5 Millionen Liter) Rohöl aus dem Tanker aus. Das war doppelt so viel wie bei der bislang schwersten Ölpest in Südkorea vor zwölf Jahren. Vielen Helfern erschien der Einsatz am Strand wie eine Sisyphus-Arbeit. „Wir wissen nicht, wann wir fertig sind“, sagte eine Teilnehmerin, Kim Sun Seon. „Wir schaufeln hier seit gestern, und die Wellen spülen immer wieder neues Öl an.“
Bis Sonntagabend konnten die Einsatzkräfte nach Angaben der Küstenwacht rund 170 Tonnen Öl bergen. Gut 900 Tonnen der schwarzen Schlacke konnten zusätzlich von speziellen Matten entlang des Strandes aufgesaugt werden. Die Regierung in Seoul versprach betroffenen Fischern und Anwohnern schnelle Hilfe. Lee Myung Bak, der als Favorit bei der Präsidentenwahl in Südkorea am 19. Dezember gilt, nahm selbst in Blaumann und Gummistiefeln an den Aufräumarbeiten teil. Auch sein Herausforderer Chung Dong Young mischte sich unter die Einsatzkräfte.
Mallipo ist nicht nur einer der schönsten Strände Südkoreas, in der Region liegt auch ein geschützter Meeresnaturpark. Das Gebiet ist eine wichtige Ruhezone für Zugvögel. Tourismus, Fischfang und Fischzucht sind die wichtigsten Wirtschaftszweige. In dem von der Ölpest betroffenen Gebiet liegen 181 Fischzuchtbetriebe, in denen 4.000 Menschen arbeiten. Im vergangenen Jahr besuchten mehr als 20,6 Millionen Touristen das Gebiet. (AP)
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