Unternehmen – Kartellamt macht Weg für Fusion von Netto und Plus frei – Erich Reimann
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Discountriese Kartellamt macht Weg für Fusion von Netto und Plus frei

Erich Reimann

01.07.2008

Die Kombo zeigt das Firmenlogo von Edeka, am 9. Maerz 2005 in Hannover und das Logo von Plus am 1. Oktober 2007 in Weimar. Das Bundeskartellamt wird nach einem Zeitungsbericht die Uebernahme des Discounters Plus durch Deutschlands groessten Lebensmittelhaendler Edeka nur unter erheblichen Auflagen genehmigen. Das Bundeskartellamt hat die Uebernahme der Discountkette Plus durch Edeka unter Auflagen genehmigt. Vor dem Vollzug der Fusion muessen knapp 400 Plus-Filialen an Konkurrenten abgegeben werden, wie das Kartellamt am Dienstag, 1. Juli 2008, in Bonn mitteilte. (AP Photos/Christof Stache, Jens Meyer)
Die Kombo zeigt das Firmenlogo von Edeka, am 9. Maerz 2005 in Hannover und das Logo von Plus am 1. Oktober 2007 in Weimar. Das Bundeskartellamt wird nach einem Zeitungsbericht die Uebernahme des Discounters Plus durch Deutschlands groessten Lebensmittelhaendler Edeka nur unter erheblichen Auflagen genehmigen. Das Bundeskartellamt hat die Uebernahme der Discountkette Plus durch Edeka unter Auflagen genehmigt. Vor dem Vollzug der Fusion muessen knapp 400 Plus-Filialen an Konkurrenten abgegeben werden, wie das Kartellamt am Dienstag, 1. Juli 2008, in Bonn mitteilte. (AP Photos/Christof Stache, Jens Meyer)

Bonn – In Deutschland entsteht ein neuer Discount-Riese. Das Bundeskartellamt hat Edeka am Dienstag grünes Licht für die Übernahme des Konkurrenten Plus gegeben. Damit kann Deutschlands größter Lebensmittelhändler die bislang eher schwache Marktposition seiner Billigtochter Netto deutlich ausbauen. Mit 3.800 Filialen, 50.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 10,4 Milliarden Euro wird Netto künftig die Nummer drei unter Deutschlands Discountern sein. Stärker sind nur noch Aldi und Lidl.

Allerdings mussten der Plus-Mutterkonzern Tengelmann und Edeka ihre ursprünglichen Kooperationspläne, die neben dem Zusammenschluss der Discounter auch eine Einkaufskooperation vorsahen, deutlich abspecken. Denn die Wettbewerbshüter sahen darin einen De-facto-Zusammenschluss des größten deutschen Lebensmittelhändlers mit der Nummer fünf auf dem Markt.

Edeka begrüßt Entscheidung

Mit massiven Auflagen versuchten die Wettbewerbshüter deshalb gegenzusteuern. So müssen vor dem Zusammenschluss von Plus und Netto rund 400 Plus-Filialen in Regionen, in denen Edeka schon heute unangefochtener Marktführer ist, an Konkurrenten verkauft werden. Außerdem untersagte das Kartellamt die geplante Einkaufskooperation.

Darüber hinaus muss Tengelmann seine Beteiligung an dem neuen Discountriesen unter die Sperrminorität von 25 Prozent senken und verliert damit jeden Einfluss auf das Unternehmen. „Mit dieser Entscheidung setzt das Bundeskartellamt ein Zeichen gegen die fortschreitende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel“, sagte Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer.

Nach Auffassung des Kartellamtes hätte eine Genehmigung der Übernahme ohne Auflagen zu einer gravierenden Verschlechterung des Wettbewerbs, sowohl für Kunden, als auch beim Einkauf geführt. Schon in den vergangenen Jahren habe sich der Wettbewerb im Lebensmittelhandel dramatisch verringert, klagten die Wettbewerbshüter. Nur noch fünf Konzerne – Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Tengelmann – beherrschten heute 90 Prozent des Marktes.

Edeka begrüßten trotz der Auflagen die Entscheidung. „Wir freuen uns, dass wir die Bedenken des Kartellamtes ausräumen konnten und es grünes Licht für mehr Wettbewerb im deutschen Discount gibt“, sagte Edeka-Vorstandssprecher Markus Mosa in Hamburg.

Tengelmann enttäuscht über Verbot der Einkaufskooperation

Edeka will die 2.500-Plus Filialen spätestens mit Beginn des kommenden Jahres in sein Ladennetz integrieren und so seinen Umsatz um rund 6 Milliarden Euro steigern. Edeka werde alle 25.000 Mitarbeiter von Plus übernehmen und bis 2010 weitere 2.500 neue Arbeitsplätze schaffen, betonte das Unternehmen.

Binnen 18 Monaten sollen 1.750 der 2.500 Plus-Filialen auf das Konzept der Edeka-Tochter Netto umgestellt werden. Die restlichen 750 Filialen sollen weiter unter dem Namen Plus firmieren, und als Nachbarschaftsläden Kunden finden.

Deutlich gedämpfter als bei Edeka fiel die Reaktion bei Tengelmann aus. „Dass die Einkaufskooperation zwischen Kaiser's Tengelmann und Edeka untersagt wurde, ist bitter“, sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub. Tengelmann hatte sich durch die Partnerschaft mit Edeka bessere Einkaufskonditionen für seine stark geschrumpfte Supermarktsparte sichern wollen.

Auf Kritik stieß die Genehmigung der Fusion bei den Markenartikelherstellern. Edeka baue seine Marktmacht damit noch weiter aus, rügte der Markenverband. Nach Auffassung der Hersteller hätte es gute Gründe gegeben, die Fusion zu untersagen. (AP)

 

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