Gesundheit - Aktuelle Nachrichten, Ratgeber und Berichte – Kassen übernehmen häufiger Extra-Behandlungen – Berrit Gräber
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Hunderte Euro Ersparnis drin Kassen übernehmen häufiger Extra-Behandlungen

Berrit Gräber

02.02.2012

Wer Ausschau hält nach einer neuen Kasse mit geldwerten Extras, sollte sich vorher immer fragen, welche Art Behandlung ihm wichtig ist. Foto: Julian Stratenschulte/AP Photo
Wer Ausschau hält nach einer neuen Kasse mit geldwerten Extras, sollte sich vorher immer fragen, welche Art Behandlung ihm wichtig ist.

Foto: Julian Stratenschulte/AP Photo

München – Für Millionen gesetzlich Krankenversicherte kann sich der Wechsel zu einer anderen Kasse richtig auszahlen. Seit Jahresbeginn locken einige der fast 150 Krankenkassen mit attraktiven Extras. Von der Zahlung der Haushaltshilfe nach dem Krankenhaus über Osteopathie, Abnehmkurse, Zahnreinigung, Brillen bis hin zu Globuli-Behandlung und alternativen Medikamenten und anderen Extras: So manche Kasse erstattet mehr als je zuvor – und mehr als andere Kassen. Wer vergleicht und umsteigt, könne bestenfalls viele Hundert Euro im Jahr sparen, erläutert Sabine Baierl-Johna von der Stiftung Warentest.

Seit 2012 lohne es sich wieder, nach interessanten Zusatzleistungen Ausschau zu halten, ermuntert auch Gesundheitsexpertin Anke Kirchner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zum Handeln. Dass die Kassen neuerdings mehr Spielraum bei Extras wie Homöopathie, Reha, Vorsorge oder künstliche Befruchtung haben, liegt am neuen Versorgungsstrukturgesetz der Bundesregierung.
"Jetzt werden verstärkt apothekenpflichtige Rezepte erstattet oder Gesundheitskurse bezahlt", berichtet Kirchner. Der Zusatzbeitrag von monatlich acht Euro, der bald überall abgeschafft sein wird, spiele bei der Kassenwahl keine Rolle mehr.

Zwar sind nach wie vor etwa 95 Prozent der Kassenausgaben festgeschrieben und damit identisch. Bei den restlichen fünf Prozent, also den freiwilligen Leistungen, gibt es aber jetzt schon große Unterschiede. Sprich: Für den Einheitsbeitrag von 15,5 Prozent bekommen Patienten bei der einen Kasse spürbar mehr fürs Geld als bei der anderen. Nur: Kaum ein Versicherter weiß davon, wie Baierl-Johna bedauert.

Globuli inklusive
Einer der Vorreiter bei den attraktiven Extras ist die Techniker-Krankenkasse (TK). Sie übernimmt seit diesem Jahr erstmals Kosten für osteopathische Behandlungen. Erstattet werden bis zu 60 Euro pro Sitzung. Das Geld müssten die Patienten normalerweise aus der eigenen Tasche zahlen. Auch Behandlungen bei ausgewählten Homöopathen oder die Behandlung von professioneller Zahnreinigung in bestimmten Praxen werden übernommen. "Nachfragen lohnt sich", betont Kirchner.

Teure Ausgaben für apothekenpflichtige Arznei wie Globuli oder Extras wie alternative chinesische Medizin müssen die Versicherten ebenfalls nicht mehr selbst zahlen. Voraussetzung: Der Arzt hat ein grünes oder ein Privatrezept ausgestellt.
Auch andere Kassen bieten Homöopathie als Zusatzleistung an. Oder sie unterstützen Versicherte nach dem Krankenhausaufenthalt mit einer Haushaltshilfe. Vor allem für ältere Alleinstehende könne das eine große Erleichterung sein, sagte Claudia Achenbach von der Unabhängigen Patientenberatung in Dortmund. Bares Geld ist es allemal wert. Viele Patienten könnten es sich gar nicht leisten, für mehrere Wochen eine Hilfskraft zu engagieren.

Keine Wartefristen
"Wer Ausschau hält nach einer neuen Kasse mit geldwerten Extras, sollte sich vorher immer fragen, welche Art Behandlung ihm wichtig ist", sagt Kirchner. Wer Kinder möchte, für den könnte eine Kostenübernahme bei einer künstlichen Befruchtung wichtiger sein als die Übernahme der professionellen Zahnreinigung. Wer im Familienverbund lebt, braucht womöglich keine Haushaltshilfe bei Krankheit, legt aber Wert darauf, dass seine Kasse die alternative Medizin, einen Diätkurs, die Rückenschule oder die Anleitung zur Raucherentwöhnung zahlt.

Vielreisende sollten sich informieren, welche Kasse die Kosten für die teuren Schutzimpfungen für Auslandsreisen übernimmt, sagt Baierl-Johna. Allein die Immunisierung gegen Hepatitis A und B koste rund 230 Euro. Grundsätzlich gelte aber: Es gibt keine Kasse, die alle Extras abdeckt.

Wer sich von seiner bisherigen Kasse verabschieden will, muss mindestens 18 Monate ihr Mitglied gewesen sein. Dann kann er mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende gehen. Beispiel: Wer Ende Februar kündigt, kann ab 1. Mai bei der neuen "Wunsch"-Kasse versichert werden – ganz gleich, ob noch Behandlungen laufen. Für die neuen Extras gibt es im Übrigen keine Wartefristen. Sie können gleich nach dem Wechsel in eine neue Kasse in Anspruch genommen werden.

Umfangreiche Unterstützung bei der Kassensuche bietet der Produktfinder von Stiftung Warentest (für drei Euro Gebühr) unter http://url.dapd.de/qtGWvH . (dapd)

 

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