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Kein David-gegen-Goliath-Kampf

Gavin Rabinowitz

14.08.2006

(AP-Photo)
(AP-Photo)

Jerusalem - Einen Monat lang haben sich die israelischen Streitkräfte und die Hisbollah erbitterte Kämpfe geliefert. Beide reklamieren Erfolge für sich, doch ein Sieger lässt sich nicht ausmachen. Fest steht: Die israelischen Truppen sahen sich nach dem Einmarsch im Südlibanon einem gut ausgebildeten und hoch motivierten Feind gegenüber, ausgerüstet mit modernen Waffen und einem klaren Heimvorteil.

Oberflächlich betrachtet mag der Krieg zwischen der schiitischen Hisbollah-Miliz und Israel zunächst wie ein Kampf von David gegen Goliath ausgesehen haben. Die vergangenen Wochen haben das Gegenteil bewiesen. Die Hisbollah, sagt der israelische Terrorismus-Experte Boas Ganor, habe sich seit sechs Jahren genau auf diese Schlacht vorbereitet - seit dem israelischen Abzug aus dem Südlibanon. In der Zwischenzeit schuf die Miliz ein ideales Terrain für einen Guerilla-Krieg. Ein komplexes System aus Bunkern und Tunneln entstand, ein riesiges Arsenal von Raketen wurde in Häusern und Höhlen versteckt, geschützt durch das Schweigen der Bewohner, die die Hisbollah als den Verteidiger ihres Landes betrachten.

Oft tauchten die Hisbollah-Kämpfer wie Phantome aus dem Untergrund auf, griffen an und verschwanden wieder. «Sie schießen auf uns, du schaust dich um, aber du weißt nicht, wo es herkommt», erzählt der 20-jährige Soldat Idan Swissa.

Die Strategie der Hisbollah sei es gewesen, die direkte Konfrontation, Auge in Auge mit den israelischen Truppen, zu meiden, sagt Jossi Kuperwasser, bis vor kurzem Chef des militärischen Geheimdienstes. Stattdessen hätten sich die Hisbollah-Kämpfer versteckt und auf Möglichkeiten gewartet zuzuschlagen.

Doch es war nicht nur diese klassische Guerilla-Taktik, die die israelischen Truppen vor Probleme stellte. Hisbollah erwies sich auch als sehr gut ausgerüstet. Die Miliz verfüge über die technisch fortschrittlichsten Waffen, weil sie «zwei Staaten hinter sich» habe, sagt Terror-Experte Ganor im Hinblick auf Syrien und den Iran. Laut Kuperwasser wurden die Hisbollah-Kämpfer von der Revolutionären Garde des Irans ausgebildet, teilweise im Libanon, teilweise im Iran.

Als besonders gefährliche Waffe für die israelischen Streitkräfte erwiesen sich die Panzerabwehrraketen der Hisbollah. Mehrere Dutzend Panzer wurden zerstört. Auch gegen die Katjuscha-Raketen, die noch aus der Ära des Zweiten Weltkriegs stammen, war Israel weitgehend machtlos. Mehrere tausend Geschosse feuerte die Miliz seit Beginn der Kämpfe auf Nordisrael ab.

Dennoch bewerten israelische Beobachter die Leistung ihrer Streitkräfte positiv. Angesichts der Tatsache, dass die Hisbollah Zeitpunkt, Ort und Art und Weise der Gefechte bestimmt habe, habe sich Israel ganz gut geschlagen, meint Ganor. Und der Bürochef des Fachmagazins «Jane's Defence Weekly», Robin Hughes, vergleicht die Lage im Südlibanon mit der Situation in Irak oder Afghanistan: «Ich kenne keine Armee auf der Welt, die die Hisbollah in ein paar Wochen einfach überrollen könnte.»

(AP)

 

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