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New York Keine Geistlichen bei den Gedenkfeiern zum Jahrestag von 9/11

Rachel Zoll

03.09.2011

Lichtsäulen am 11. September zum Gedenken an den Anschlag auf das WTC auf Ground Zero, aufgenommen von der Fähre nach Staten Island aus. Foto: Stefan/www.pixelio.de
Lichtsäulen am 11. September zum Gedenken an den Anschlag auf das WTC auf Ground Zero, aufgenommen von der Fähre nach Staten Island aus.

Foto: Stefan/Pixelio

New York – Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg hat religiöse Vertreter von den offiziellen Feierlichkeiten zum Gedenken an die Terroranschläge vom 11. September 2001 ausgeschlossen und damit christliche Konservative gegen sich aufgebracht. Bloombergs Büro erklärte, wie an jedem Jahrestag sollten die Opfer und ihre Angehörigen im Mittelpunkt stehen. Bisher habe es noch nie Gebete von Geistlichen gegeben.

In den USA wird aber auch vermutet, dass Bloomberg es vermeiden will, auch einen muslimischen Vertreter einladen zu müssen. Eine Sprecherin des Bürgermeisters, Evelyn Erskine, erklärte, das Programm für die Gedenkfeierlichkeiten sei mit den Angehörigen der Opfer von damals abgestimmt. Es werde Lesungen geben, die "spiritueller und persönlicher Natur" seien. Mehrere Schweigeminuten für Gedenken und stille Gebete seien eingeplant. Auch Seelsorger von Polizei und Feuerwehr, die mit den Familien der Terroropfer arbeiten, seien eingeladen. "Statt darüber zu diskutieren, welche religiösen Führer teilnehmen, würden wir den Schwerpunkt unserer Zeremonie lieber bei den Familienmitgliedern der Getöteten belassen", sagte Erskine.

Vertreter zahlreicher religiöser Gemeinden in New York erklärten, sie könnten die Haltung des Bürgermeisters verstehen. Sie verweisen auf die zahlreichen religiösen Gedenkveranstaltungen als Beweis dafür, dass die Religion nicht vergessen wird. "Es wurde die Entscheidung getroffen, den Familien Priorität zu geben", sagte Rabbi Joseph Potasnik. "Ich glaube, dass können wir alle akzeptieren."

Petition erhielt 50.000 Unterschriften

Kritiker sehen dagegen in dem Programm einen Beweis für Vorurteile gegen die Religion. Sie verweisen darauf, dass nach den Anschlägen religiöse Gruppen eine wichtige Rolle bei der Versorgung der Überlebenden und der Rettungskräfte gespielt hätten. "Vor zehn Jahren hat niemand geistliche Oberhäupter abgewiesen. Warum werden sie vom zehnten Jahrestag ausgeschlossen?", fragte Pastor Richard Land, ein Sprecher der Southern Baptist Convention, der größten protestantischen Gruppe des Landes. "Die einzige Antwort sind einfach antireligiöse Vorurteile."

Zu den Kritikern gehören außerdem die Katholische Liga und der Familienforschungsrat, der im Internet eine Petition veröffentlichte, in der Bloomberg aufgefordert wird, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken. Bis Freitag gingen dort mehr als 50.000 Unterschriften ein.

Der Religionswissenschaftler Charles Haynes erklärte, Bloomberg habe möglicherweise keine Geistlichen zugelassen, um eine Kontroverse über den Islam zu vermeiden. Schließlich hätte er auch einen muslimischen Vertreter zulassen müssen. Pastor Land und andere betonen zwar, sie hätten nichts gegen einen muslimischen Vertreter einzuwenden. Haynes sieht Bloomberg aber angesichts der wachsenden Anti-Islam-Bewegung in den USA in einer "No-Win-Situation".

Erzbischof zeigt Verständnis

Der katholische Erzbischof Timothy Dolan sagte, er habe sich vor einem Monat mit Bloomberg getroffen und über die Zeremonie gesprochen. Bloomberg habe die Zeremonie nicht allein geplant, sagte der Bischof in der vergangenen Woche dem Kabelsender NY1. Der Bürgermeister habe gesagt: "Es ist vielleicht nicht alles so, wie ich es mir wünsche, aber es werden nur die direkten Angehörigen kommen und die Politiker, die damals im Amt waren, und die, die heute im Amt sind." Dazu sagte Dolan: "Das ist für mich in Ordnung."

(dapd)

 

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