Moskau/Paris - Der internationale Kernfusionsreaktor Iter wird für rund zehn Milliarden Euro im südfranzösischen Cadarache gebaut.
Vertreter der an dem Forschungsprojekt beteiligten Länder unterzeichneten am Dienstag in Moskau eine entsprechende Vereinbarung, wie eine Sprecherin der Europäischen Union (EU) mitteilte. Die Entscheidung beendete einen monatelangen Streit mit Japan, das sich ebenfalls um den Standort des Forschungsreaktors bemüht hatte.
Der Internationale Thermonukleare Experimentalreaktor (Iter) ist ein Projekt zur Energiegewinnung durch die Verschmelzung von Atomkernen. In dem Reaktor soll die Energieproduktion der Sonne simuliert werden. Bei der Kernfusion soll Meerwasser benutzt werden. Die Forscher versuchen so, eine unerschöpfliche Quelle kostengünstiger und umweltfreundlicher Energie zu entwickeln.
"Wir schreiben heute Geschichte, was die internationale Forschungskooperation betrifft", sagte der EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung, Janez Potocnik. Nun müssten die Details der Vereinbarung geklärt werden, damit der Bau so schnell wie möglich beginnen könne. Die EU hatte sich Anfang des Monats optimistisch gezeigt, dass noch in diesem Jahr mit dem Bau von Iter begonnen werden kann. Der geplante Versuchsreaktor soll früheren Angaben zufolge 2015 in Betrieb gehen.
An Iter sind neben der EU und Japan auch die USA, China, Russland und Südkorea beteiligt. Bis zum Schluss gab es Uneinigkeit über die Finanzierung des Projekts. Im Standortstreit mit Japan hatte die EU Frankreich unterstützt, wo der Reaktor in Cadarache nahe Marseille gebaut werden soll.
Frankreich begrüßte die Entscheidung für den Standort. "Das ist ein großer Erfolg für Frankreich, für Europa und für alle Partner von Iter", teilte das Amt von Präsident Jacques Chirac mit. Frankreich betreibt 58 Atomkraftwerke und ist damit nach den USA das Land mit den meisten Atomkraftwerken weltweit. Chirac wurde am Donnerstag in Cadarache erwartet.
In herkömmlichen Atomkraftwerken werden die Atomkerne gespalten. Die Kernfusion gilt als Zukunftstechnologie, weil bei ihr kaum Abfallprodukte anfallen und die benötigten Ausgangsstoffe im Meerwasser praktisch unbegrenzt vorhanden sind. Trotz jahrelanger Forschung ist den Wissenschaftlern bisher nicht gelungen, einen Fusionsreaktor zur kommerziellen Nutzung entwickeln. (Reuters)
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