Menschen & Meinungen – Kinder reicher Eltern studieren öfter im Ausland – Torsten Holtz
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Kinder reicher Eltern studieren öfter im Ausland

Torsten Holtz

22.04.2008

Berlin – Kinder reicher und gebildeter Eltern gehen während ihres Studiums doppelt so oft ins Ausland wie solche aus einkommensschwachen und hochschulfernen Familien. Dies zeigt ein Sonderbericht aus der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, DSW, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

DSW-Präsident Rolf Dobischat sagte, diese soziale Schieflage müsse zügig beseitigt werden, weil Auslandserfahrungen auch über spätere Chancen im Beruf entscheiden. „Alle Studierenden müssen mobil sein können, unabhängig von ihrer Herkunft oder dem Geldbeutel ihrer Eltern“, verlangte er.

Weiter zeigt die Studie, dass die Zahl ausländischer Studierender in Deutschland seit 1997 von gut 100.000 auf nun knapp 190.000 gestiegen ist. Drei Viertel kommen aus Entwicklungs- und Schwellenländern, rund 85 Prozent organisieren ihr Studium selbst.

Dobischat berichtete, viele klagten über die schwierige Orientierung im deutschen Studiensystem, den mangelnden Kontakt zu ihren deutschen Kommilitonen sowie Hürden bei der Studienfinanzierung. Sein Fazit: „Die Integration ausländischer Studierender muss besser werden.“

Hohe Abbruchquote ausländischer Studierender

Die Defizite sind der Studie zufolge auch für die hohe Abbruchquote der Ausländer mitverantwortlich. Dobischat sagte, die Hochschulreformen, voran die Umstellung auf Bachelor und Master, erschwerten den ausländischen Studierenden die Orientierung im Studiensystem. Die Finanzlage der Ausländer ist überdies angespannter als die der deutschen, sie haben im Schnitt nur 645 Euro im Monat. „Mehr als die Hälfte der ausländischen Studierenden ist erwerbstätig, die zwei weiteren wichtigsten Finanzierungsquellen sind die Unterstützung durch die Eltern sowie Stipendien“, sagte Dobischat.

Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagfraktion, Kai Gehring, erklärte dazu: „Die Situation ausländischer Studierender in Deutschland ist beschämend.“ Fast die Hälfte der Studierenden mit Migrationshintergrund brächen Studium und Aufenthalt vorzeitig ab. „Viele sprechen zum Ende ihres Aufenthalts schlechter deutsch als zu Beginn. Hier sind Politik, Hochschulen, deutsche und ausländische Studierende dringend gefragt“, meinte er.

Deutsche Studierende sehr mobil

Positiv strich Dobischat die hohe Auslandsmobilität der deutschen Studierenden hervor. „Deutsche Studierende sind wesentlich mobiler als Studierende aus anderen Industrieländern, deutlich mobiler als etwa Studierende aus Großbritannien oder den USA.“ Laut der Studie hatten 16 Prozent der deutschen Studenten im Sommersemester 2006 bereits einen so genannten studienbezogenen Auslandsaufenthalt absolviert, wozu man Sprachkurse, Praktika und Studium zählt. Frauen sind mobiler als Männer; Studierende der Medizin sowie der Sprach- und Kulturwissenschaften gehen am häufigsten ins Ausland.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium, Andraes Storm, zeigte sich erfreut, dass die Zahl der deutschen Studierenden im Ausland von 52.220 im Jahr 2000 auf 75.800 im Jahr 2005 gestiegen ist. Als Ziel gab er aus, dass in fünf Jahren die Marke von 100.000 erreicht werden soll.

http://www.studentenwerke.de/ (AP)

 

 

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