Aktuelle Nachrichten – Unterhaltung
14.04.2012
Foto: arsenalfilm.de
In Quebec spricht man französisch. In Algerien spricht man auch französisch, aber es ist eben nicht ganz genau gleich, wie die Titelfigur Monsieur Lazhar schon bald herausfindet. Doch der Zusammenstoß beider Kulturen ist in Philippe Falardeaus bezauberndem Film „Monsieur Lazhar" relativ sanft. Der für den Oskar nominierte Film wurde am 13. April in New York gezeigt.
Der junge Simon muss etwas mit ansehen, was kein Grundschüler erleben sollte. Seine angeblich beliebte Privatlehrerin erhängt sich im Klassenraum. Es musste ein endgültiger Akt passiver Aggression gewesen sein, aber der Film schenkt ihren Problemen nur wenig Zeit.
Begierig, schnell weiterzumachen, will der Schuldirektor den erst besten Lehrer nehmen, der die Position akzeptiert. Aber es bewirbt sich nur eine Person: Der kürzlich eingereiste Immigrant Bachir Lazhar.
Ein Mann mit einer geheimnisvollen Vergangenheit; Lazhar scheint der perfekte Kandidat, um die Strategie des Direktors bezüglich Dementi und Vergessen durchzusetzen. Jedoch kann der nicht umhin, zu seinen immer noch trauernden Schülern Zuneigung zu entwickeln, vor allem zu Simon, der in der Klasse zu einem Störenfried geworden ist. Es scheint, dass der kleine Junge eine heikle Vergangenheit mit der letzten Lehrkraft hatte, ein Umstand, den Lazhar für sich selbst erschließen muss.
„Monsieur Lazhar" bietet ein großes Minenfeld für potentielle melodramatische Klischees, jedoch tollt Falardeau´s Adaption des Bühnenstücks von Evelyne de la Chenelièr fröhlich über all das hinweg. Es hält auch eine Menge multikultureller Themen bereit, enthält sich dabei aber den Sirenengesängen von Lehrhaftigkeit.
Stattdessen präsentiert Falardeau ein intimes Drama, dass durch seine Ehrlichkeit und Einfachheit erfrischend wirkt. Lazhar versucht seiner Klasse zu helfen ohne dabei übermäßig Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken. Doch stellt sich die Geschichte als sehr viel reichhaltiger und komplizierter heraus.
Algeriens Bühnenkünstler und Komiker Fellag (wie er oft angekündigt wird) versteht den Nutzen der Unaufdringlichkeit. Seine einfühlsame aber zurückhaltende Darbietung als Lazhar erlaubt ihm, die emotional überladene Atmosphäre durch eine Rede an die Klasse aufzulockern. Diese Darstellung geht auf die Zuschauer über, die er mit seiner gradlinigen Integrität gewinnt. Die Schauspieler, die die Kinder spielen, zeigen ebenfalls überraschenderweise eine überzeugende Darbietung, vor allem die drei Grundschüler, die durch Sophie Nélisse, Emilien Néron und Marie-Eve Beauregard gespielt werden.
In vielerlei Hinsicht ist „Lazhar", der Film und die Rolle, das Gegenteil des Filmes „Detachment" von Tony Kaye und zeigt, dass besorgte Lehrer einen Unterschied im Leben ihrer Schüler machen können. Hier gibt es keine herablassende Darstellung bösen Mobbings oder eine überzogene Belehrung über Kanadas Immigrationspolitik. Es ist vielmehr eine feinsinnige Betrachtung von Schüler-Lehrerbeziehungen und anderen ähnlichen Bindungen zwischen Menschen.
Joe Bendel schreibt Filmkritiken und lebt in New York. Seine neuesten Artikel finden sich unter:
http://jbspins.blogspot.com
Bewertung: 4 von 5 Sternen
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