Kultur – Kino Kino: „My week with Marilyn“ – Joe Bendel / Gastautor
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Ein Ausschnitt des Lebens einer Hollywood-Königin Kino Kino: „My week with Marilyn“

Joe Bendel / Gastautor

06.04.2012

„My week with Marilyn“: Das biografische Drama über Marilyn Monroe (Michelle Williams) und Sir Laurence Olivier während der Produktion von „Der Prinz und die Tänzerin“. Foto: 2012 Ascot Elite Filmverleih GmbH
„My week with Marilyn“: Das biografische Drama über Marilyn Monroe (Michelle Williams) und Sir Laurence Olivier während der Produktion von „Der Prinz und die Tänzerin“.

Foto: 2012 Ascot Elite Filmverleih GmbH

Der Film läuft ab 19. April im Kino.
Der Film läuft ab 19. April im Kino.

Foto: 2012 Ascot Elite Filmverleih GmbH

Sir Laurence Olivier und Marilyn Monroe waren mit John Osbornes „Der Komödiant“ und Billy Wilders „Manche mögen’s heiß“ beide auf dem Weg zu ihrem Karrieregipfel. Die Chemie zwischen den beiden in ihrem einzigen gemeinsamen Film „Der Prinz und die Tänzerin“ war jedoch nicht besonders gut. Der Film wurde 1957 vom Publikum und den Kritikern auch nur mäßig aufgenommen.

Die Geschichte hinter den Kulissen ihres schwierigen Filmdrehs wird in „My week with Marilyn“ aus der Sicht eines in Monroe verliebten Produktionsassistenten erzählt.

Obwohl er in einen hohen Stand geboren wurde, will der junge Colin Clark seinen eigenen Weg in der Welt finden, indem er Arbeit beim Film sucht. Clark akzeptiert kein Nein und nutzt für sich ein dubioses Arbeitsangebot als Laufbursche bei Oliviers Produktionsfirma.

Erst kürzlich zum Ritter geschlagen, plant der großartige Schauspieler Sir Olivier eine leichte komödiantische Rolle mit dem amerikanischen Sexsymbol zu inszenieren, eine Rolle, die seine Frau Vivien Leigh auf die Bühne gebracht hatte. Doch als Monroe mit ihrem gesamten Gefolge am Set auftaucht, zeigt sich sehr schnell, dass sie von der Method School of Acting mit ihren Wurzeln bei Stanislawski zutiefst begeistert ist, für die der schillernde Schwätzer Sir Laurence aber nur wenig Geduld hat.

Trotz einer gelungenen Romanze mit der Garderobenassistentin Lucy, gespielt von Emma Watson, die wohl genauso attraktiv wie die kindliche und bisweilen mit Drogen vollgepumpte Monroe ist, verliebt sich Clark in das Sexsymbol. Auch wenn diese Gefühle nicht wirklich auf Gegenseitigkeit beruhen, fängt Monroe an, der emotionalen Unterstützung des besorgten jungen Mannes zu vertrauen. All das führt am Set zu viel Tratsch und bösem Blut.

Wenn Marilyn Monroe wirklich eine völlig unsichere Frau war, die in einem frühen Stadium ihrer Entwicklung stehengeblieben ist, dann wird sie von Michelle Williams sehr gut dargestellt. Auch wenn sie bereits als Oscar-Anwärterin gehandelt wird, scheint nach ihrer Interpretation der Monroe diese ein unbeschriebenes Blatt zu sein, auf dem die anderen ihre Sehnsüchte projizieren. War wirklich nicht mehr an dieser Frau? Wenn dem so ist, dann ist das sehr traurig.

Als willkommenen Kontrast dazu liefert die britische Besetzung, darunter Dame Judi Dench, Michael „Foyle“ Kitchen und Julia Ormond als Leigh, eine hervorragende Arbeit und es werden witzige Bemerkungen verstreut, als ob sie sich in Noël Cowards Neuauflage von „Stadt der Illusionen“ befänden.

Die Besetzung mit Kenneth Branagh als Olivier ist genial. Branagh hat nicht nur die richtige „klassisch ausgebildete“ Präsenz und die Begabung für messerscharfe Dialoge, sondern man sieht auch Parallelen zwischen seiner Karriere und der von Sir Laurence.

Branagh verdient Beifall und nicht bloß sporadische Vergleiche mit Olivier und dessen frühen shakespearhaften Filmen. Branaghs Karriere war seltsam wechselhaft, bis er ein fragwürdiges Comeback mit „Thor“ feierte. Trotzdem spielt er den kultigen Schauspieler mit authentischer Tiefe und Charisma.

Zugegeben, die Produktion basiert auf Clarks Erinnerungen, aber die Zeit, die Eddie Redmayne als Clark in diesem Film eingeräumt wird, scheint doch ziemlich unangemessen zu sein. Im Vergleich dazu gibt es weit interessantere Schauspieler und großartige, herausragende Persönlichkeiten der Kinogeschichte, die auch in dem Film auftreten. Offen gesagt wird sein trauriges, verliebtes Schauspiel schnell langweilig. Glücklicherweise kann man sich auf die regelmäßigen Wachmacher von erfahrenen Veteranen wie Branagh, Dench und Sir Derek Jacobi verlassen.

Curtis lässt den Film im Nu vorübergehen und fängt dabei ein schönes Bild dieser Ära ein. Mit stets angenehmen Bildern zeigt „My week with Marilyn“ einige wunderbare geschmackvolle Darbietungen. Nur scheint man sich dabei ausschließlich auf die zwei langweiligsten Menschen am „Tisch der Großartigen“ konzentriert zu haben. Es ist die Art von Film, bei dem das Resultat der Teile besser ist als der Film insgesamt.

 

Empfehlung: 3 von 5 Sternen

 

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