Unterhaltung – Kino Kino: „Nader und Simin - eine Trennung“ erhalten Oscar – Joe Bendel / Gastautor
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Unterhaltung

Bester fremdsprachiger Film Kino Kino: „Nader und Simin - eine Trennung“ erhalten Oscar

Joe Bendel / Gastautor

04.03.2012

Die iranische Schauspieler Leila Hatami und Peyman Moadi im Film „Nader und Simin - eine Trennung“, der den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewann. Foto: AP Photo/Filmiran International Company, Habib Majidi
Die iranische Schauspieler Leila Hatami und Peyman Moadi im Film „Nader und Simin - eine Trennung“, der den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewann.

Foto: AP Photo/Filmiran International Company, Habib Majidi

Peyman Moadi und Asghar Farhadi (v.l.) mit Mahmoud Kalari.
Peyman Moadi und Asghar Farhadi (v.l.) mit Mahmoud Kalari.

Foto: AP Photo/Chris Pizzello

Als eine gebildete, verhältnismäßig liberale iranische Frau will Simin im Ausland leben, nicht so sehr für sich, aber für ihre Tochter Termeh. Leider läuft ihr Reisevisum bald ab, und ihr Ehemann Nader will nicht gehen.

Das verursacht Dinge, welche Abendländer als unversöhnliche Unterschiede eines Ehepaars bezeichnen würden. Es setzt auch eine tragische Kette von Ereignissen in Bewegung, die in Asghar Farhadis Film „Nader und Simin - eine Trennung" ihren Lebensstil gefährdet. Der Film gewann bereits auf der Berlinale im vorherigen Jahr den Goldenen Bären.

Nader ist kein richtiger Fundamentalist, aber er ist stur. Er muss auch seinen an Alzheimer erkrankten Vater pflegen, obwohl Simin das für eine fragwürdige Entschuldigung hält. Weil eine Scheidung im Iran kein leichtes verschuldensunabhängiges Vorhaben ist und ihr Fall sich in die Länge zog, zieht sie zu ihren Eltern zurück.

Nader braucht Hilfe bei der Pflege seines Vaters und stellt Razieh als Haushaltshilfe ein. Sie ist arm, ungebildet, äußerst religiös, und verheiratet mit dem gewalttätigen Houjat. Sie nimmt die Position nur anstelle von Houjat an, als dieser Versager für seine Schulden ins Gefängnis kommt. Doch, kaum, dass sie sich in die Routine des Haushaltes niederzulassen scheint, steht die Welt Kopf. Plötzlich steht Nader vor Gericht unter der Anklage, den Tod von Raziehs ungeborenem Kind verursacht zu haben, während der brutale Houjat seine Familie belästigt.

Zugegeben, das Porträt der iranischen Gerichtsbarkeit im Film lässt nicht viel Zuversicht übrig, aber das ist fast das geringste von Naders Problemen. Stattdessen wird er sich selbst sein schlimmster Feind und reagiert auf Razieh und Houjat in jeder kritischen Situation auf die übelste Weise. Aber seiner feinfühligen Tochter seine Entscheidungen zu erklären, ist oft seine größte Herausforderung.

Sehr ähnlich zu Farhadis auf dem Tribeca-Filmfestival preisgekrönten Film „Elly" stellt „Nader und Simin - eine Trennung" sehr lebhaft dar, wie ein tragischer Fehler alles mehr und mehr verkompliziert. Es ist ein intensiver Film, der einen fast an den Rand der Erschöpfung bringt.

Wie viele Filme des verfolgten Filmemachers Jafar Panahi wirft auch dieser Film ein Schlaglicht auf die Spaltungen in der iranischen Gesellschaft und spaltet zutiefst die Berufstätigen und - soweit sie es wagen - weltlich Orientierten von den Armen und den fundamentalistischen Grundsätzen. Nader und Simin sollten die Oberhand haben, aber dies ist der Iran.

„Nader und Simin - eine Trennung" ist klug und auch auf der Mikroebene minutiös realistisch. Die dynamische Beziehung zwischen Simin und Nader ist besonders aufschlussreich und mit großer Sensibilität gespielt von Leila Hatami und Peyman Moaadi in den Hauptrollen.

Wir verstehen sehr deutlich, dass dies ein Paar mit viel gemeinsamer Geschichte ist, die einander nicht hassen. Es gelingt ihnen nicht, zusammenzukommen, aber sie können nicht aufhören, sich darum zu bemühen. Ebenso gibt der Teenager Sarina Farhadi (die Tochter des Regisseurs) eine bemerkenswert fein abgestimmte Vorstellung als unsichere Termeh.

„Nader und Simin - eine Trennung" und davor „Elly" sind so etwas wie iranische Cassavetes-Filme, unbequem innig  und direkt, aber in ihrer Wirkung unleugbar tief sitzend. Es ist ein wenig schwierig, ihren Platz im zeitgenössischen iranischen Film-Establishment näher zu bestimmen.

Trotzdem ist „Nader und Simin - eine Trennung" ein ungewöhnlich bemerkenswerter Film. Sehr empfehlenswert, zählt er doch mühelos zu den besten der Berlinale des Jahres 2011 und gewann jüngst auch den verdienten Oscar.

Anlässlich des Oscar Gewinns läuft der Film aus dem Jahr 2011 nun in ausgewählen Kinos noch einmal auf der Leinwand.

Joe Bendel schreibt über Film und Jazz und lebt in New York. Seine kürzlich veröffentlichten Artikel finden sich auf http://jbspins. bitteblogspot.com


Empfehlung:

4.5  von 5 Sternen

 

 

Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.

Folgen Sie uns auf Facebook , Twitter und Google+.

 
Anzeige
Anzeige