Kultur – Klavierabend mit Lang Lang in der Kölner Philharmonie – Bernd und Cecilie Kregel / Gastautoren
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Zärtliche Geste zum Steinway-Flügel Klavierabend mit Lang Lang in der Kölner Philharmonie

Bernd und Cecilie Kregel / Gastautoren

19.02.2010

Foto: Philip Glaser

Foto: Philip Glaser

Mit rauschenden Arpeggios und langen Trillerketten huscht Lang Lang virtuos über die Tasten des Steinway-Flügels. Bereits vor dem abschließenden Allegro assai in Beethovens 3. Klavierkonzert in C-Dur ist das Publikum in der bis auf den letzten Stehplatz ausverkauften Philharmonie nicht willens, seinen spontanen Applaus zwischen den Sätzen zurückzuhalten.

So wird der ins Halbdunkel gedimmte Konzertsaal unversehens zu einer Kultstätte für den „angesagtesten Künstler der gesamten klassischen Musikwelt" (New York Times), der seit seiner Zeit als „Wunderkind" bereits in jugendlichem Alter zu einem Mythos herangereift ist. Und zugleich verwandelt sich das Konzertpublikum in eine meditierende Gemeinde, die kaum zu atmen wagt, damit ihr keine Nuance dieser inspirierenden Beethoven-Interpretation entgehe.

Und doch ist die 3. Klaviersonate musikalisch nur ein Vorgeschmack zu der späteren und ausgereifteren Klaviersonate Nr. 23, die als Inbegriff romantisch-solistischer Virtuosität ihren Beinamen „Appassionata" zu Recht trägt. Der 27-Jährige meistert das Hauptthema des 1. Satzes mit blitzsauberem Anschlag. Über zunächst gebrochene Dreiklänge hinweg erreicht er durch die im Abstand von zwei Oktaven notierte Unisono-Bewegung eine düstere und unheimliche Basswirkung.

An das Andante con moto des Mittelsatzes schließt sich unmittelbar als Allegro, man non troppo - Presto der Schlusssatz an. Einer Fanfare gleich arbeitet Lang Lang die Einstimmung heraus und bereitet damit den nun folgenden musikalischen Sturmlauf vor: Schnelle Sechzehntel durchziehen den ganzen Satz wie ein Perpetuum mobile, bis die ganze Bewegung nach furiosen Akkord-Kaskaden in sich zusammenfällt. Das Publikum belohnt die plötzliche Auflösung der Anspannung bereits vor der Pause mit ausgelassenen Bravorufen und standing ovations.

Lässt sich dieser Erfolg noch steigern? Lang Lang versucht es mit dem ersten Buch der Iberia-Suite von Isaac Albeniz. Sie gilt als Gipfelpunkt im Schaffen des spanischen Komponisten und damit zugleich als sein Vermächtnis. Zunächst galt das Werk als unspielbar. Lang Lang erweckt an diesem Abend jedoch nicht den Eindruck, als bereiteten ihm die vom Komponisten mit „Evocacion" überschriebenen melancholischen und träumerischen Klänge aus dessen spanischer Heimat irgendwelche technischen Schwierigkeiten.

Noch spanischer wird es im zweiten Stück, in dem sich Lang Lang mit traumwandlerischer Sicherheit durch drei unterschiedliche Tanzrhythmen hindurch bewegt. Souverän beherrscht er auch das dritte Stück, das als „El Corpus Christi en Sevilla" lautmalerisch die Fronleichnamsprozession nachzeichnet, von klingenden Kirchenglocken bis hin zum andalusischen Falsettgesang.

Ganz anders im Charakter dagegen die Klaviersonate Nr. 7 von Sergej Prokofjew. Sie gehört zu den sogenannten Kriegssonaten und ist in ihrer musikalischen Aussage beeinflusst von den politischen Wirrungen zur Zeit der deutschen Invasion. Entsprechend prägen nervös-stampfende Rhythmen und clusterartig-hämmernde Akkorde den mit „Allegro inquieto" überschriebenen Eingangssatz.

Erstaunlich, wie Lang Lang im Andante Caloroso des Mittelsatzes die Zuhörer mit einer wunderschönen, melancholischen Melodie entführt in die heile Welt einer trügerischen Ruhe. Diese hingegen wird  im abschließenden „Precipitato" sogleich wieder zerstört, indem jede hoffnungsvolle kleine Melodie unglaublich furios mit Akkorden wie mit Hammerschlägen brutal zerschlagen wird.

In der Tat ein meisterlicher Abend, an dem sich das begeisterte Publikum noch Chopins Nocturne Nr. 25 als Belohnung erklatscht. Doch die Ehre, die Lang Lang zuteil wird, ist er bereit zu teilen - mit dem Steinway-Flügel, auf den er mit dankbarer, fast zärtlicher Geste beim Schlussapplaus verweist.

 

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