Kultur – Kleine Forscher auf den Spuren der Vergangenheit in Berlins Museen – Ingrid Wittig
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Kinderakademie Kleine Forscher auf den Spuren der Vergangenheit in Berlins Museen

Ingrid Wittig

17.02.2011

Goderin und Zeyner spielen Römische Mühle. Foto: Birgit Hempel
Goderin und Zeyner spielen Römische Mühle.

Foto: Birgit Hempel

„Ich fand es bemerkenswert, wie gut auch Kinder mit Migrationshintergrund es verstanden, ihre Lernergebnisse in der großen Gemeinschaft zu präsentieren“, sagte Birgit Hempel. „Den Eltern hat es die Augen geöffnet, als sie feststellen konnten, zu welchen Leistungen ihre Kinder fähig sind.“

Mit 14 kleinen Forschern der Vineta-Grundschule in Berlin-Wedding hat ihre Klassenlehrerin Birgit Hempel am ersten Semester der Kinderakademie der Staatlichen Museen zu Berlin teilgenommen. Die Teilnahme dieser Schüler, meistens mit Migrationshintergrund, wurde durch die Daimler Financial Services AG finanziell ermöglicht. Die Eltern der Kinder stammen aus der Türkei, aus arabischen und russischen Ländern, aus Afrika und Deutschland. Jedes Kind kann sich voller Begeisterung an viele schöne und interessante Begegnungen, die es während des Aufenthaltes in den Museen hatte, erinnern.

Geheimnisse des Altertums

Mit einer würdevollen Abschlussfeier im Theodor-Wiegand-Saal des Pergamonmuseums in Berlin wurde das erste Halbjahr der kleinen Akademiemitglieder am 23. Januar beendet. Zu diesem Treffen fanden sich die etwa 80 Teilnehmer von der Kinderakademie gemeinsam mit ihren Eltern, Geschwistern und Freunden ein, um ihnen vorzustellen, was sie im ersten Semester auf den Spuren der Vergangenheit gelernt, erlebt und gebastelt haben.

Die kleinen Forscher der Vineta-Grundschule stellten einen selbst gebastelten Zeitstrahl und geographische Karten mit Fundorten archäologischer Gegenstände, Keilschriftblättchen, Hieroglyphenschriften, ihre Forschertagebücher und selbst gebastelte Drei-D-Objekte von Pyramiden und vom Pergamonaltar vor.

Die Projektbegleitung hatten erfahrene Museumspädagogen übernommen. Für sie ist es besonderes wichtig, den jeweiligen sozialen Hintergrund und den Schulalltag der Kinder mit einzubeziehen, um ihre individuellen Fähigkeiten zu fördern. Sie führten die jungen Menschen auf spielerische Weise an die zum Teil schwierigen Themenfelder heran. Im Angebot waren altersgerecht zugeschnittene Vorträge, Führungen, Workshops und Mitmachgelegenheiten.

Von Göttern und Gräbern

Während des Kurses lernten die Kinder die Namen der Götter und ihre Bedeutung näher kennen, so die Himmelskönigin Hera, Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit, Poseidon, den Gott des Meeres. Am meisten beeindruckte sie Zeus, der Herrscher des Olymps war und die Menschen mit Blitz und Donner strafte. Baran hat in der Auseinandersetzung mit der griechischen Mythologie festgestellt, dass Gutes und Böses miteinander kämpften.

Nicole Merkel fragte besorgt: „Haben Mumien auch eine Seele?“ Die Antwort lautete: „Ja!” Und Israa El-Doaiss interessierte sich besonders für Ägypten, den beeindruckenden Bau der Cheops-Pyramide, die Mumifizierung und den Sarkophag. Aber die Kinder der Klasse waren sich einig, dass Mumien in Museen zwar interessante Anblicke bieten, aber nicht ausgestellt werden sollten, um ihre Würde im Tod zu wahren.

Goderin Monáma wußte eine spannende Geschichte von dem Schlangendrachen Muschchuschu zu erzählen, der als Wappentier zu dem babylonischen Gott Marduk gehört. Seine mysteriöse Gestalt konnte er mit den anderen Kindern auf dem Ischtar-Tor im Pergamonmuseum betrachten, das aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus stammt.

Um die Entwicklung auf unserem Planeten zeitlich einzuordnen, hatte das Projekt einen Zeitstrahl erarbeitet. Anhand der Karte war das Römische Reich schnell zu überblicken und das Weltwunder Roms gefunden. Das Amphitheater wurde erst im Jahr 79 nach Christus fertig gestellt. Die Informationen über das Kolosseum und die Bedeutung der Gladiatoren hat sie sehr überrascht, weil sie sich nicht vorstellen konnte, dass sich Menschen zur Unterhaltung anderer grausame Kämpfe liefern mussten und dass auch Tiere gnadenlos getötet wurden.

Begeistert beschreibt Birgit Hempel, was sie beobachten konnte, während die Museumspädagogin Christine Reich mit den Kindern beschäftigt war: „Ich stand manchmal außerhalb der Gruppe und merkte, dass jedes Mitglied hundertprozentig bei der Sache war. Die Teilnehmer der Kinderakademie erweitern und festigen ihr Wissen, bringen es mit in die Schule und nehmen die anderen Schüler auf ihrem Leistungsniveau mit.“ Sie stellt außerdem fest, dass sich in dem Fach Deutsch bereits entscheidende Fortschritte gezeigt haben. Die Ausdrucksform in der Kommunikation während des Unterrichts, das Verfassen von Berichten und die Deutschkenntnisse sind insgesamt im Niveau gestiegen.

Zweite Runde für die kleinen Forscher

Das zweite Semester der Staatlichen Museen zu Berlin beginnt für die kleinen Forscher im Februar 2011. Noch bis zum 21. Februar kann man sich anmelden. Alle Kinder der Vineta-Grundschule Berlin Wedding sind wieder dabei und freuen sich jetzt schon darauf, Neues zu erkunden und zu erkennen.

Dieses Mal werden sie sich mit den anderen „auf die Spuren Alter Meister“ in das Metier der Kunstgeschichte begeben. Für sie werden die Türen im Bodemuseum, des Kulturforums am Potsdamer Platz, der Alten Nationalgalerie, der Friedrichswerderschen Kirche und auch wieder auf der Museumsinsel offen stehen.

Spannende Fragen wurden schon für sie vorbereitet: Warum gibt es Kunstmuseen? Welches war das erste Museum in Berlin? Welche Geheimnisse können Zeugen der Vergangenheit aufbewahren? Was ist ein Heiliger? Wie entsteht ein Gemälde und welche Farben hat man früher verwendet? Welche Berufe gibt es im Museum und woher nahmen Maler und Bildhauer ihre Ideen?

www.kinderakademie-berlin.de

 

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