Harmonie und Balance im Alltag – Klimawandel bringt größere Belastungen für den Organismus – Simone Utler
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Klimawandel bringt größere Belastungen für den Organismus

Simone Utler

12.04.2007

Hamburg – Die Klimaerwärmung wird die Gesundheit belasten. Längere Pollenflugzeiten, verstärkter Zeckenbefall und die Zunahme von Tropenkrankheiten sind mögliche Folgen der Erwärmung in Mitteleuropa. Sogar über die Rückkehr der Malaria wird spekuliert. Experten zeichnen unterschiedlich düstere Szenarien, doch eines scheint sicher: In Deutschland ist verstärkt mit Hitzesommern und den damit verbundenen Belastungen für den Organismus zu rechnen. „Es besteht kein Anlass zu Panik, aber wir dürfen nicht weggucken“, sagt der Medizin-Meteorologe Paul Becker.

In einem Punkt herrscht weitestgehend Konsens unter Klimaexperten: „Die Hauptwirkung auf die Gesundheit liegt letztlich bei den Hitzewellen“, sagt Becker, der beim Deutschern Wetterdienst (DWD) die Abteilung Wetter-Meteorologie leitet. Leidtragende dürften vor allem Alte, Kranke und Kinder sein: So führt extreme Hitze bei Kindern schnell zu einem Sonnenstich oder Hitzschlag, bei älteren Menschen leicht zu Herz-Kreislauf-Beschwerden – und im schlimmsten Fall zum Tod: Im Sommer 2003 starben allein in Deutschland schätzungsweise 7.000 Menschen in Folge der extremen Hitze.

Ein besonders düsteres Szenario zeichnet eine Studie des Kieler Institutes für Wirtschaftsforschung (KIW): Wenn die Erderwärmung nicht gestoppt wird, könne es wegen der zunehmenden Zahl von Hitzewellen bis zu 12.000 zusätzliche Todesfälle pro Jahr geben. Die Untersuchung bezieht sich allerdings erst auf die Jahre 2071 bis 2100 und geht von bis zu 25 zusätzlichen Hitzetagen mit mehr als 32 Grad pro Jahr aus. Außerdem berücksichtigt sie die zunehmende Alterung der Gesellschaft.

Solche Prognosen seien keine Panikmache, betont Becker. Es sei richtig, die Menschen aufzurütteln. Dabei seien die Gegenmaßnahmen im Grunde sehr einfach: Beispielsweise sei es wichtig, mehr zu trinken und in der größten Hitze keinen Sport zu treiben. Auch Städteplaner müssten sich irgendwann darauf einstellen: „Klimaanlagen sind wegen des CO2-Ausstoßes keine dauerhafte Lösung.“

Längere Pollensaison belastet Allergiker

Eine weitere Folge des veränderten Klimas betrifft Allergiker: die Ausdehnung der Pollensaison. Insgesamt verlängerte sich die Dauer des Pollenflugs in Europa während der vergangenen 30 Jahre um durchschnittlich zehn bis elf Tage pro Jahr, sagt die medizinische Referentin des Europäischen WHO-Zentrums für Umwelt und Gesundheit, Bettina Menne. Zusätzlich treten neue Pflanzen mit stark allergenen Pollen auf, wie die aus Nordamerika stammende Ambrosia.

Menne weist auch auf die zunehmende Bedrohung durch Zecken hin: Die von ihnen übertragenen Erkrankungen Borreliose und Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) sind der Ärztin zufolge inzwischen in Regionen vorgedrungen, in denen sie vorher kaum bekannt waren, wie in Nordschweden oder in Höhenlagen Tschechiens. Da die Zecken milde Winter in größeren Populationen überstünden, steige auch die Zahl der Tiere, die die Krankheitserreger auf den Menschen übertragen könnten.

Bessere Bedingungen für Salmonellen und Darmbakterien

Einige Experten warnen auch vor einer drohenden Ausdehnung von Tropenkrankheiten. Überträger von lebensgefährlichen Infektionskrankheiten hätten in den milderen Wintern der Zukunft nördlich der Alpen bessere Überlebensbedingungen, sagt der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge. Bereits jetzt sei in Deutschland eine gefährliche Giftspinne aus südlichen Ländern aufgetaucht. Auch die Blut saugende Sandmücke, deren Weibchen die Tropenkrankheit Leishmaniose verbreiten, wanderten nordwärts.

„Es sind durchaus Szenarien denkbar, dass Viren, die bisher auf Afrika beschränkt waren, nach Mitteleuropa kommen“, sagt Klaus Stark, RKI-Experte für tropische Infektionen. Doch das Potenzial für eine bedrohliche Ausbreitung von Malaria, Gelb- oder Dengue-Fieber halte er derzeit für recht gering. „Bis sich Malaria etablieren kann, müssen viele für den Erreger günstige Bedingungen zutreffen – davon sind wir weit entfernt.“ Außerdem lasse sich ein Ausbreiten gut verhindern, wenn medizinisch früh genug eingegriffen werde, wie es in Deutschland möglich sei.

Stark betont, dass vermutlich vor allem bereits jetzt und hier etablierte Erreger von der Klimaerwärmung profitieren. So finden Salmonellen und Darmbakterien bessere Bedingungen, wenn die Temperaturen um ein paar Grad steigen: „Man sollte den Nudelsalat daher nicht zu lange ungekühlt am Grill stehen lassen.“ (AP)

 

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